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Insel im Meer

Gletscherschmelze hebt den Meeresspiegel

Zwischen 1902 und 2009 hat das weltweite Abschmelzen von Gletschern einen Anstieg des Meeresspiegels von elf Zentimetern verursacht. Bis 2100 könnten es bis zu 22 Zentimeter sein.

Umwelt 14.11.2012

Das berichten Innsbrucker Forscher in einer aktuellen Studie. Die im globalen Vergleich relativ kleinen Alpengletscher werden demnach auch weiterhin besonders stark an Masse verlieren. Ihr Beitrag zum Meeresspiegelanstieg bis 2040 wäre mit etwa 0,2 Millimetern jedoch gering.

20 Zentimeter plus seit 1900

Seit dem Jahr 1900 ist der globale Meeresspiegel um etwa 20 Zentimeter angestiegen. Die Ursachen dafür liegen im globalen Klimawandel, der auch zum zunehmenden Abschmelzen der Eismassen auf dem Land führte. Neben den Gletschern spielen auch die durch Erwärmung verursachte Ausdehnung des Meerwassers, sowie die Änderung des im Grundwasser und Stauseen gespeicherten Wassers eine Rolle.

Die Studie

"Past and future sea-level change from the surface mass balance of glaciers", The Cryosphere (12.11.2012; doi: 10.5194/tc-6-1295-2012).

Für ihre Studie haben Forscher um Ben Marzeion vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck, Daten über die Veränderungen aller rund 300.000 Gletscher weltweit in einem Modell berechnet und die Ergebnisse anhand von Einzelmessungen überprüft. "Aus diesen Berechnungen geht hervor, dass die Gletscher zwischen 1902 und 2009 rund elf Zentimeter zum Meeresspiegelanstieg beigetragen haben. Sie waren damit die wichtigste Ursache für die Veränderung des Meeresspiegels", so Marzeion.

Die Abschmelzrate blieb in dem gesamten Zeitraum relativ konstant. Das liege daran, dass die Temperaturen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zwar deutlich niedriger waren, die Gletscher damals allerdings noch in tiefere und somit wärmere Lagen reichten, was zu höheren Verlusten führte. Zusätzlich gab es in den 1930er- und 1950er-Jahren deutliche, relativ kurze Erwärmungen in der Arktis, die dort zu große Gletscherrückgängen auslösten.

Anhand verschiedener Klimamodelle untersuchten die Forscher auch Zukunftsszenarien für die Entwicklung der Gletscher. Zukünftige wirtschaftliche, soziale und technologische Entwicklung der Erde wurden in vier verschiedenen Szenarien zusammengefasst, um Unterschiede im Treibhausgas-Ausstoß zu prognostizieren. Dabei zeigten sich große regionale Unterschiede, heißt es in der Aussendung.

Halbierung in den Alpen

"In den Alpen wird um das Jahr 2040 herum nur noch etwa die Hälfte des momentanen Eisvolumens vorhanden sein. Absolut gesehen ist dieser Verlust aber relativ gering - die Alpen werden bis dahin etwa 0,2 Millimeter zum Meeresspiegelanstieg beitragen", so Marzeion. Auch Regionen mit sehr großen Gletschern würden absolut gesehen zwar sehr viel Eis verlieren, relativ bleibe aber auch viel erhalten. "In der kanadischen Arktis werden im Jahr 2100 noch etwa 70 Prozent des momentanen Eisvolumens vorhanden sein. Allein diese Region wird bis dahin aber rund zwei Zentimeter zum Meeresspiegelanstieg beigetragen haben", so der Klimaforscher.

Der Gesamtanstieg der Ozeane könnte bis 2100 zwischen 15 und 22 Zentimeter betragen. Marzeion: "Ob eher die untere oder obere Grenze eintritt, haben dabei die Menschen in der Hand - es hängt hauptsächlich davon ab, wie viele Treibhausgase in die Atmosphäre emittiert werden." Bei einem noch weiteren Blick in die Zukunft sei bis 2300 mit einem Anstieg von 25 bis 42 Zentimeter zu rechnen. Im Fall eines Zuwachses von 42 Zentimetern wären die Gletscher weltweit bis auf sehr kleine und entsprechend hoch gelegene Reste verschwunden.

science.ORF.at/APA

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