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Satellitenbild des Hurrikans Katrina

Bildung als Katastrophenschutz

Bildung fördert nicht nur die Gesundheit, steigert die Lebenserwartung und hebt das Pensionsantrittsalter, sie hilft auch, die nicht zu vermeidenden Konsequenzen des Klimawandels zu überleben. Eine Serie von Studien hat gezeigt, dass Bildung und nicht etwa ein hohes Einkommen wichtig sei, um sich vor Naturkatastrophen zu schützen.

Demografie 22.11.2012

Das erklärte der Demograph Wolfgang Lutz vom Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital gestern Abend beim ersten Vortrag im Rahmen der "Kerner von Marilaun Lectures" der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien. Mit seinen Kollegen untersuchte er die Auswirkungen von Hurrikans in Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik seit den 1960er Jahren.

Wolfgang Lutz leitet das Wiener "Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital", das Weltbevölkerungs-Programm am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien, er ist Professor an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und Direktor des Instituts für Demographie der ÖAW (VID in Wien.

Die Vortragsreihe "Kerner von Marilaun Lectures" der ÖAW widmet sich aktuellen Fragen über den Einfluss des Menschen auf die Umwelt und seinen Umgang mit der Natur. Benannt ist sie nach dem österreichischen Botaniker Anton Kerner von Marilaun (1831-1898), der als Vordenker seines Faches gilt, weil er beispielsweise Wechselbeziehungen zwischen Klima und dem Vorkommen von Pflanzengruppen aufzeigte. Beim nächsten Vortrag der Serie am 28. November wird sich IIASA Direktor Pavel Kabat der Frage widmen, ob sich die Erde schon in einer neuen Ära befindet, dem "Zeitalter des Menschen" (Anthropozän).

Ö1 Sendungshinweis:

Über den Vortrag berichtet auch Wissen Aktuell am 22.11. um 13:55.

Bevölkerung weniger verletzlich

Damals gab es bei Hurrikans in allen drei Ländern viele Todesopfer. "Dann brachte die Revolution in Kuba einen massiven Anstieg in der Bildung, aber, durch das kommunistische System, keinen Anstieg im Einkommen", erklärte er.

Während in Haiti und der Dominikanischen Republik immer noch sehr viele Menschen bei Hurrikans sterben, hätte Kuba dabei fast keine Todesfälle zu beklagen, weil die Menschen dort besser organisiert seien, die humanen Ressourcen hätten, sich vorzubereiten und bei Eintritt der Katastrophe damit umzugehen, erklärte Lutz. Bildung helfe also bei der Bedrohung durch Naturkatastrophen, die Bevölkerung sei in diesem Fall weniger verletzlich, so Lutz.

Gebildeter Planet bis 2050

Bildungsmäßig habe sich in der Welt in den vergangenen Jahrzehnten einiges getan. Während in den 1970er Jahren noch eine klassische Trennung zwischen den gut gebildeten Industrieländern und den wenig gebildeten Entwicklungsländern herrschte, sei diese Aufteilung heute zu einem Gutteil verschwunden. Die Länder Asiens und Lateinamerikas gehörten mittlerweile zu den "gut" bis "hoch" gebildeten Ländern, nur noch in Afrika läge eine "Insel der niedrigen Bildung". Geht die aktuelle Entwicklung weiter, sei die Welt 2050 überwiegend gebildet.

Österreich müsse mehr in die menschlichen Ressourcen investieren, sonst "sind wir im Jahr 2050 vermutlich deutlich geringer gebildet als China, ganz Südostasien und auch viele andere Länder in Europa", sagte Lutz. Dies hält er für kein erstrebenswertes Szenario.

science.ORF.at/APA

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