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Darstellung unseres Sonnensystems

Hypothese: Planeten lenken die Sonne

Die Aktivität der Sonne folgt einem wiederkehrenden Zyklus. Die Ursachen dieses Musters sind unbekannt. Astronomen vermuten nun: Die Planeten unseres Sonnensystems könnten dafür verantwortlich sein.

Astrophysik 28.11.2012

Wissenschaftler aus Spanien, Australien und der Schweiz haben die Zyklen der Sonnenmagnetfelder aus Eisbohrkernen und fossilen Hölzern rekonstruiert und mit der Gravitationswirkung der Planeten verglichen. "Die Übereinstimmung ist verblüffend und lässt hoffen, dass die Vorhersage von Zeiten mit erhöhter Sonnenaktivität näher rückt", berichteten Forscher am Mittwoch.

Dies werde immer wichtiger, "weil unsere Gesellschaft immer stärker von Technik wie Stromnetzen, Kommunikations- und Navigationssatelliten abhängig ist, welche durch große solare Eruptionen lahmgelegt werden können".

Mücke und Elefant

Die Studie

"Is there a planetary influence on solar activity?", Astronomy & Astrophysics (28.11.2012; doi: 10.1051/0004-6361/201219997).

Die Sonne vereinigt mehr als 98 Prozent der Gesamtmasse unseres Sonnensystems auf sich und hält mit ihrem Gravitationsfeld die Planeten auf den Umlaufbahnen. Eine umgekehrte Wirkung der Planeten auf die Sonne wurde bisher als vernachlässigbar betrachtet - quasi als Verhältnis zwischen einer Mücke und einem Elefanten. Möglicherweise vorschnell, wie die Studie im Fachblatt "Astronomy & Astrophysics" zeigt: Das Drehmoment der Planeten könnte die Ursache für die langfristigen Zyklen der Sonnenaktivität sein.

Die bereits bekannten Perioden von 88, 104, 150, 208 und 506 Jahren stimmen nach Feststellungen der Wissenschafter während der vergangenen 10.000 Jahre genau mit den periodischen Änderungen des Drehmoments überein, das die Planeten auf eine dünne Schicht im Innern der Sonne ausüben. Auf diese Schicht, so vermuten die Forscher, wirkt sich das Drehmoment der Planeten ähnlich aus wie der Einfluss des Mondes auf die Gezeiten auf der Erde.

"Takt kommt von außen"

"Es deutet alles auf einen externen Taktgeber hin", sagt Jürg Beer von der ETH Zürich, einer der Studienautoren. "Und dafür kommen eigentlich nur die Planeten infrage."

Noch bezeichnen Beer und Kollegen ihre Schlüsse vorsichtig als Hypothese. Doch sollten sich die Befunde ihres Teams bestätigen, wären sie von großer Bedeutung, nicht nur im Zusammenhang mit den Auswirkungen auf empfindliche technische Einrichtungen auf der Erde. Zum einen würden sie mithelfen, die Sonne besser zu verstehen und realistischere Modelle der Sonne zu konstruieren. Zum anderen könnten sie mithelfen, zuverlässigere Prognosen für das "Weltraumklima" oder gar das "Weltraumwetter" zu machen - was im Hinblick auf längere Weltraumreisen enorm wichtig wäre.

science.ORF.at/APA/sda

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