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Slowakische Roma-Familie in ihrer Unterkunft

Die Wurzeln der europäischen Roma

Die verschiedenen europäischen Roma-Gruppen haben Forschern zufolge einen gemeinsamen Ursprung. Ihre Vorfahren machten sich vor rund 1.500 Jahren von Indien aus auf den Weg, vor etwa 900 Jahren zogen sie dann vom Balkan in viele Länder Europas weiter. Während der Migration blieben sie weitgehend unter sich.

Genetik 06.12.2012

Das Team um David Comas und Manfred Kayser von der Erasmus-Universität im niederländischen Rotterdam hatte mit einer Erbgutanalyse den Ursprung und die Geschichte des europäischen Roma-Volkes nachvollzogen.

Unerforschte Minderheitengruppe

Die Studie in "Current Biology":

"Reconstructing the population history of European Romani from genome-wide data" von David Comas et al. ist am 6.12. in "Current Biology" erschienen.

Mit rund elf Millionen Angehörigen stellen die Roma die größte Minderheitengruppe in Europa dar. Dennoch blieben sie bisher in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen unberücksichtigt, etwa wenn es um die genetische Charakterisierung der Europäer gehe.

Die Wissenschaftler analysierten nun das Erbgut von insgesamt 152 Menschen aus 13 Roma-Gruppen aus Nord-, West- und Osteuropa und verglichen es mit anderen Populationen der Welt. Die Auswertung ergab, dass die Roma ursprünglich aus Indien stammen, vermutlich aus Nord- oder Nordwestindien. Zu diesem Ergebnis waren zuvor bereits sprachwissenschaftliche Untersuchungen gekommen.

Wenige Spuren anderer Völker

Die Population der Gründerväter und -mütter schrumpfte auf dem Weg in Richtung Europa zunächst stark, zeigten die Analysen weiter. Die Roma blieben während ihrer Migration weitgehend unter sich. Im Erbgut fanden die Forscher nur wenige Spuren von Angehörigen anderer Völker, denen die Roma auf ihrem Weg begegnet sind, etwa aus dem Mittleren Osten, dem Kaukasus oder aus Zentralasien.

Vom Balkan aus breiteten sich die Roma dann vor etwa 900 Jahren in einer westlichen und einer östlichen Line über Europa aus. Auch in dieser Zeit heirateten sie vor allem untereinander. Gelegentlich vermischten sie sich aber auch mit anderen Europäern, vor allem wohl in jüngerer Vergangenheit, heißt es in der Studie. Trotz des relativ kurzen Zeitraumes sei die demografische Geschichte der europäische Roma reich und komplex, schreiben die Forscher.

Der Europarat schätzt die Zahl der Roma europaweit auf rund 11,2 Millionen. In Bulgarien, Mazedonien, Rumänien, der Slowakei und Serbien ist der Anteil an der Bevölkerung demnach am größten. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird Roma als Sammelname für die gesamte Minderheit verwendet. In Österreich ist auch die Variante "Roma und Sinti" gebräuchlich, die Anerkennung als österreichische Volksgruppe erfolgte 1993 aber ebenfalls unter dem Überbegriff "Roma".

science.ORF.at/APA/dpa

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