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Erde, gesehen aus dem Weltraum

Nachrichten aus der Zukunft

114 Jugendliche erhielten im Sommer bei einem Praktikum Einblicke in die österreichische Forschungslandschaft zum Thema Nachhaltigkeit und konnten "am eigenen Leib" erfahren, dass nachhaltiges Handeln fast alle Lebensbereiche betrifft. Die Abschlussberichte spiegeln diese Vielfalt. Ein Team hat ihn in Form eines Newsletters aus der Zukunft verfasst und erhielt dafür einen Spezialpreis des Ministeriums.

Initiative "Rio+20" 13.12.2012

Die jungen PreisträgerInnen haben sich im Rahmen ihres Praktikums am Institut für Technikfolgenabschätzung mit Zukunftsfragen beschäftigt. Der fiktive Newsletter aus dem Jahre 2020 beleuchtet, inwieweit heutige Anstrengungen in Forschung und Gesellschaft in der Zukunft nachhaltig wirksam werden könnten.

Buchcover Forschung für nachhaltige Entwicklung

Studienverlag

Die 25 ausgewählten Praktikumsberichte inklusive der zwei prämierten Texte sind in Buchform erschienen:
Hubert Dürrstein (Hrsg.): Forschung für nachhaltige Entwicklung. Wissenschaft ler/innen und Jugendliche ziehen Bilanz. Eine Initiative des BMWF anlässlich des Jubiläumsjahres Rio+2. Studienverlag. Innsbruck, Bozen, Wien. ISBN 978-3-7065-5257-8.

Alle Beiträge finden sich auf der Homepage des Wissenschaftsministeriums

Im Folgenden ist ein Auszug aus dem umfangreichen Newsletter zu lesen. Gemeinsam mit dem Siegertext und den anderen ausgewählten Berichten ist er in vollem Umfang in einer abschließenden Publikation der Young Science-Initiative "Rio+20 - Wissenschaftler/innen und Jugendliche ziehen Bilanz" erschienen.

CIVIISION-News

AutorInnen des CIVIISION Newsletters

BmWF

Auf Basis der Visionen von sieben (VII) SchülerInnen:
Johannes Elsner, Angel Eyalil, Julian Möhlen, Elisabeth Steiner, Johanna Eichinger, Reinhard Edelmoser, Niklas Loidl

Dieser Newsletter soll Ihnen als Inspiration bei der Formulierung Ihrer eigenen Träume, Wünsche und Hoffnungen für eine von einer nachhaltigen Entwicklung geprägte Zukunft unserer Gesellschaft dienen.

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Preisverleihung berichtet auch Wissen Aktuell am 13.12. um 13:55.
Die Dimensionen am 17.12. um 19:05 stellen einige der Projekt exemplarisch vor.

Wird die Nanomedizin Krankheiten besiegen? Wird die Sonnenenergie alle nicht erneuerbaren Formen der Energie ersetzen? Werden internationale Organisationen wie die UNO eine weltweite gerechte Ressourcenverteilung und Frieden ermöglichen? Werden energieautarke Naturgemeinschaften und moderne, umweltschonende Transportkonzepte unsere Lebensqualität erhöhen? Werden unsere Kinder in einer Kultur aufwachsen, die durch neue Werte der Kooperation und Toleranz geleitet wird? Wie werden Bürgerinnen und Bürger in der Zukunft ihre politische Zukunft bestimmen, und welche möglichen Zukunftsbilder gibt es für Wissenschaft, Wirtschaft und Politik?

Wir laden Sie ein, unseren Newsletter aus dem Jahr 2020 zu lesen und die Zukunft aus neuen Perspektiven zu betrachten. Sind Sie bereit, mit uns über die Zukunft nachzudenken?

17. Juli 2020

Eine neue Technologie für Verkehrssysteme und mehr Grün

Elisabeth Steiner hat als neue Abgeordnete heute ihr Konzept mit einer kleinen Geschichte für die Zuschauer/innen aus der Volksschule Zukunft so begonnen:

"Stell dir vor, du siehst Häuser, und alles rundherum ist grün, keine Straßen, kein Autolärm. Nur vereinzelt schwebt ein Schwebzeug vorbei, lautlos und optisch der Natur angepasst. Nichts erinnert mehr an das Straßenbild von früher, als alles grau und unnatürlich war.

Die Welt beginnt sich wieder von unserer Vergangenheit zu erholen, der Treibhauseffekt ist kaum noch spürbar. Du spazierst in Richtung einer der Magnetschwebebahnen und siehst von weitem eine Rehherde, die Kitze tollen wild und ausgelassen herum. Du bleibst einen Moment ehrfürchtig stehen und beobachtest dieses Schauspiel der Natur, dann raffst du dich zusammen, steigst, an der Schwebebahn angekommen, in dein Schwebzeug und bist in Windeseile an deinem Ziel angelangt."

Nach dem Konzept von Elisabeth Steiner wird es keine Straßen mehr geben, alles wird grün sein. Unter den "grünen Straßen" werden Magnetbahnen verlegt, auf welchen die "Schwebzeuge" (= Autos) über dem Boden schweben. Die Häuser werden aus natürlichen Baustoffen gebaut und die Energie wird durch erneuerbare Ressourcen produziert werden.

Der überflüssige Asphalt wird entweder weiterverarbeitet, zu Skulpturen als Erinnerungen an graue Stätten verwandelt oder durch ein neuartiges Recyclingsystem in seine einzelnen natürlichen molekularen Bestandteile zerlegt und für andere Zwecke verwendet. "Dadurch würde endlich eine vollständige Veränderung geschehen, welche die Welt dringend benötigt, und die Abgase aller Autos dieser Erde würden die Welt nicht mehr belasten", schildert Elisabeth Steiner begeistert.

Nachhaltige Mobilität

Ulrike Unterbruner, die für das Europäische Institut für Visionen-Abschätzung (EIVA) eine Analyse dieses Konzepts durchgeführt hat, beschreibt das Konzept als mögliche Nutzung von Erdmagnetismus, bei dem ungeahnte Möglichkeiten vermutet werden, um Mobilität nachhaltiger zu gestalten. Das Konzept sieht vor, dass der Verkehr der Zukunft ohne fossile Brennstoffe auskommt und unter Nutzung des natürlichen Erdmagnetismus möglich wird. Das Abgehen von den fossilen Brennstoffen und die Entwicklung einer Magnetschwebetechnologie soll leise, ressourcen- und platzschonende Lösungen finden und eine schnelle umwelt- und menschenfreundliche Fortbewegung ermöglichen. Gleichzeitig stattfindende Rückbauten von Straßen sollen dem Grün in den Städten mehr Raum geben, wovon Menschen wie auch Tiere profitieren können.

Für die Realisierung dieser Vision ist Forschung und Entwicklung in mehrfacher Hinsicht nötig: Wissenschaftler/innen und Techniker/innen (z. B. aus den Bereichen Physik, Verfahrenstechnik, Materialkunde, Baustoffkunde und Bauwirtschaft) müssen die Realisierbarkeit eines auf natürlichen Magnetfeldern basierenden Schwebe-bahnsystems prüfen bzw. technische Konzepte für dessen Entwicklung vorantreiben.

Gleichzeitig ist Grundlagenforschung durch Biologen/Biologinnen, Geo- und Umweltwissenschaftler/innen notwendig, um mögliche negative Folgen bzw. Auswirkungen der Nutzung des Erdmagnetismus abzuschätzen.

Es gilt zum Beispiel zu prüfen, ob durch die neue Technologie Störungen des Erdmagnetfelds möglich sein können oder Irritationen von Tieren auftreten, die – wie z. B. Zugvögel – den Erdmagnetismus für ihre Orientierung benötigen. Es muss auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit Menschen körperlich oder in ihrer Befindlichkeit beeinträchtigt werden könnten.

Weiters gilt es, Technologien und Verfahren zu entwickeln, die zur Nutzung der beim Rückbau bestehender Straßen gewonnenen Materialien eingesetzt werden können.
Wenn bestehende Straßensysteme rückgebaut werden, sind Stadt-, Raum- und Landschaftsplaner/innen gefragt, die unter Mitbeteiligung der Bürger/innen die frei werdenden Flächen gestalten.

Und schließlich müssen von politischer Seite finanzielle Unterstützung und Förderprogramme für die Forschung und Einführung dieser neuen Technologie zur Verfügung gestellt werden.

Offene Fragen

Unsicherheiten und offene Fragen, die im EIVA-Bericht identifiziert wurden: Es soll überprüft werden, ob verkehrstechnische Lösungen wie die Magnetschwebetechnologie, die doch sehr nach einer großtechnischen Lösung aussieht, grundsätzlich zielführend sein können. Großtechnische Lösungen sind in der Regel sehr teuer und anfälliger für Störungen, als dies bei dezentrale(re)n Verkehrssystemen der Fall ist. Überdies haben Störungen weitreichendere Auswirkungen.

Für die Errichtung der Magnetschwebebahnen und für die in riesigem Ausmaß nötigen begleitenden Um- und Rückbauten wird – ebenso wie für die Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet – sehr viel Geld notwendig sein. Es stellt sich die Frage, in welchen Bereichen der Staat im Gegenzug weniger Geld ausgeben will. Wäre möglicherweise ein „Sparstift“ für Bildungssystem, Soziales oder Kultur die Folge?

Die Vision enthält nicht ein Nebeneinander von verschiedenen Verkehrssystemen, sondern setzt alles auf die neue Magnet-schwebetechnologie. Ulrike Unterbruner stellt weiters folgende Fragen: Kann eine derartige Umstellung auf EIN System überhaupt bewerkstelligt werden? Ist der Rückbau bestehender Verkehrssysteme unter Beibehaltung der Mobilität leistbar und das Recycling der abgebauten Materialien möglich? Worin liegt der Vorteil einer Abschaffung bestehender Systeme wie U-Bahnen? Würden solche Magnetschwebebahnen nur in Städten realisiert werden oder auch in ländlichen Gegenden?

Das EIVA soll bis September 2020 klären, inwieweit dieses Konzept für den öffentlichen Verkehr einsetzbar ist. Wer kann sich "Schwebzeuge" leisten, wer nicht? Könnte das soziale Spannungen zur Folge haben? Elisabeth Steiner betont, dass klar geregelt werden muss, dass die rückgebauten Flächen auch tatsächlich der Bevölkerung zur Verfügung stehen und nicht als Bauland wiederum nur von wenigen genutzt werden.

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