Standort: science.ORF.at / Meldung: "Industriefinanzierung verzerrt Studienresultate"

Ein Arzt steht vor einer Patientin, er notiert ihre Angaben.

Industriefinanzierung verzerrt Studienresultate

Mit Industriegeldern finanzierte Studien zu Medikamenten und medizinischen Produkten fallen positiver aus als anders finanzierte Studien. Auch stimmen die Schlussfolgerungen seltener mit den tatsächlichen Befunden überein, wie ein aktueller Studienüberblick zeigt.

Wissenschaftsforschung 12.12.2012

Mediziner um Andreas Lundh vom Cochrane Center in Kopenhagen haben dabei 48 Medizinprodukte und Medikamente unter die Lupe genommen. Studien, die von der Industrie finanziert wurden, berichteten demnach von positiveren Wirkungen und weniger schädlichen Nebenwirkungen als Studien mit anderen Geldquellen.

Die Studie von Andreas Lundh und Kollegen erscheint in der Dezember-Ausgabe der "Cochrane Library" (sobald online).

Spricht für Freilegung der Rohdaten

Außerdem klafften die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen innerhalb einer vom Hersteller bezahlten Studie häufiger auseinander. "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass industriefinanzierte Studien häufiger die Produkte des Sponsors favorisieren", sagte Forschungsleiter Lundh.

Für ihn leisten diese Befunde Rückhalt für aktuelle Forderungen nach besserem Zugang zur Methodik und den Rohdaten von klinischen Studien. Denn die Ergebnisse dieser Studien beeinflussen, welche Produkte Ärzte verschreiben, was von den Krankenkassen ersetzt und nicht zuletzt was überhaupt für den Markt zugelassen wird.

In der Cochrane Collaboration werten internationale Experten an 13 Standorten weltweit Studienergebnisse aus, um ein möglichst verzerrungsfreies Bild zu wichtigen medizinischen Fragen zu erstellen.

science.ORF.at/APA/sda

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