Standort: science.ORF.at / Meldung: "Bonobos teilen ihr Essen gerne mit Fremden"

Zwei Bonobos beim Entlausen

Bonobos teilen ihr Essen gerne mit Fremden

Wenn Bonobos ihr Futter mit Artgenossen teilen, dann bevorzugen sie häufig Fremde vor Mitgliedern ihrer eigenen Gruppe. Die Menschenaffen vergrößern dadurch ihren Freundeskreis, berichten US-Forscher. Damit sei nachgewiesen, dass das Teilen mit Fremden keine einzigartige Eigenschaft des Menschen sei.

Verhaltensforschung 03.01.2013

Die Studie:

"Bonobos Share with Strangers" von Jingzhi Tan und Brian Hare ist am 2.1. in "PLOS One" erschienen.

Link:

Bonobo im Kindesalter, der eine Papaya isst

Jingzhi Tan

Bonobos zählen wie Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans zu den Großen Menschenaffen - den nächsten Verwandten des Menschen im Tierreich - im Bild ein Exemplar im Kindesalter, das Papayas isst.

Das Verhalten der Bonobos habe jedoch Grenzen, schreiben Jingzhi Tan und Brian Hare von der Duke-Universität in Durham in einer Studie: Wenn kein direkter Kontakt zum Artgenossen möglich ist, dann fressen sie lieber alleine als den anderen über einen technischen Weg ebenfalls zu Futter zu verhelfen.

Eine Reihe von Versuchen

Die Forscher machten insgesamt 70 Versuche mit 14 verschiedenen Bonobos. In einem Experiment hatten die Affen die Möglichkeit, zwei Artgenossen zu sich in den Käfig zu lassen, um ihr Essen mit ihnen zu teilen. Dabei öffneten sie in den meisten Fällen dem Fremden zuerst die Tür. Nur wenige bevorzugten ihr Gruppenmitglied. Der fremde Affe wiederum öffnete häufig noch zusätzlich dem Gruppenmitglied des ersten Bonobos die Tür, so dass er selbst nun zwei Angehörigen der ihm fremden Gruppe gegenüber saß.

Dass bei diesem Verhalten nicht nur selbstsüchtige Motive eine Rolle spielen, zeigte ein weiteres Experiment. Dabei war das Essen für die Versuchstiere selbst unerreichbar, jedoch konnten sie mit Hilfe eines Seils einem anderen Bonobo eine Tür öffnen, so dass dieser an das Essen gelangen konnte. Das Versuchstier hatte dabei keine Möglichkeit zu einem direkten Kontakt mit dem anderen. Dennoch öffneten neun von zehn Bonobos wenigstens in einem Versuchsdurchgang die Tür. Dabei kamen Fremde und Gruppenmitglieder gleichermaßen zum Zuge.

Wenn sie allerdings selbst das Essen erreichen konnten und der direkte Kontakt zum Artgenossen nicht möglich war, dann öffnete kein einziges der Versuchstiere die Tür für den anderen - weder für Fremde noch für Gruppenmitglieder.

science.ORF.at/dpa

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