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Auge einer Frau.

2.000 Jahre altes Medikament für die Augen

Vor mehr als 2.000 Jahren ist vor der Küste der Toskana ein Schiff gesunken. Italienische Forscher haben nun sechs graue, scheibenförmige Tabletten analysiert, die in einer geborgenen Büchse bis heute überdauert haben: Vermutlich handelt es sich um ein Heilmittel für die Augen.

Pharmazie 08.01.2013

Das Schiff "Relitto del Pozzino" war ca. im Jahr 130 v. Chr. vor Populonia, einer wichtigen etruskischen Handelsstadt, gekentert und untergegangen. 1974 wurde das Wrack in einer Meerestiefe von 18 Metern in der heutigen Provinz Livorno entdeckt und danach schrittweise untersucht.

Die Studie:

"The ingredients of a 2000-year-old medicine revealed by chemical, mineralogical, and botanical investigations" von Gianna Giachi und Kollegen ist am 7.1. in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften erschienen (sobald online).

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In einer Pyxis, einem Gefäß aus Zink, wurden die flachen Tabletten mit einem Durchmesser von rund vier und einer Dicke von rund einem Zentimeter gefunden. Ein Team um die Chemikerin Erika Ribechini von der Universität Pisa hat sie nun genau untersucht.

Genaue Analyse der Bestandteile

Die Analyse von Teilen eines zerbrochenen Klümpchens ergab, dass es von der Zusammensetzung und der Form her als Medizin für die Augen gedacht gewesen sein könnte. "Das Mittel wurde direkt auf die Lider aufgetragen", sagte Ribechini der Nachrichtenagentur dpa. Es könnte z.B. für Augenwäschen verwendet worden sein.

Die Untersuchung der chemischen, mineralogischen und botanischen Inhaltstoffe zeigte, dass das Gemisch überwiegend aus Zink besteht. Die Präparate - einen Zentimeter dick und vier im Durchmesser - enthielten der Analyse zufolge unter anderem Stärke, Eisenoxid sowie Bienenwachs und Kiefernharz. Zahlreiche Pflanzenüberreste gehören ebenfalls zu den Inhaltsstoffen der antiken Arznei: Holzkohle, Fasern von Flachs und Stärkekörnern sowie Blütenstaub von Olivenbäumen und zahlreichen anderen Pflanzen waren darunter.

Mehr als die Hälfte der Pollen in dem Medikament stammte von Pflanzen, die zuvor von Insekten bestäubt worden waren. Das lege nahe, so die Forscher, dass der Blütenstaub als Beiprodukt etwa von Bienenwachs in die Arznei gelangte und nicht absichtlich von den antiken Apothekern dem Gemisch hinzugefügt worden ist.

science.ORF.at/APA/dpa

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