Standort: science.ORF.at / Meldung: "Raumflüge machen träge"

Zwei der sechs Mars-"Astronauten" testen die schweren Raumanzüge.

Raumflüge machen träge

Lange Reisen ins Weltall können den Schlaf-Wach-Rhythmus von Astronauten stark durcheinanderwirbeln, berichtet ein internationales Forscherteam. Sie bewegen sich immer weniger und verbringen mehr Zeit mit Ausruhen und Schlafen.

Kosmos 08.01.2013

Die Wissenschaftler untersuchten jene sechs Männer, die 2010/11 beim Moskauer "Mars500"-Experiment rund 17 Monate lang in einem Raumschiffmodell einen Flug zum Mars simulierten. "Ihre Schlafgewohnheiten ähnelten denen von überwinternden Polarforschern", sagte das deutsche Teammitglied Mathias Basner der Nachrichtenagentur dpa. Gründe seien vor allem schlechte Beleuchtung sowie Monotonie an Bord.

Die Studie:

"520-day Mars mission simulation reveals protracted crew hypokinesis and alterations of sleep duration and timing" erscheint zwischen 7. und 11. Jänner 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI: 10.1073/pnas.1212646110).

25-Stunden-Tag

Mars500-Teilnehmer Sukhrov Komolov bereitet sich auf eine MRT-Untersuchung vor.

dpa/Andreas Gebert

Mars500-Teilnehmer Sukhrov Komolov bereitet sich auf eine MRT-Untersuchung vor.

"Wir waren überrascht, wie unterschiedlich jeder einzelne auf die Simulation reagierte", sagte Basner. Zwei Männer zeigten sogar "kritische" Veränderungen. "Ein Teilnehmer war nicht mehr mit dem 24-Stunden-Tag synchronisiert, sondern lebte fast einen 25-Stunden-Tag", erzählte der an der Universität von Pennsylvania (USA) tätige Forscher. "Ein anderer Mann schlief hingegen immer weniger, im Schnitt nur etwa 6,5 Stunden pro Tag, und zeigte als einziger starke Einbußen im Aufmerksamkeitstest."

Im All sei Passivität besonders gefährlich, warnte Basner. "Hierdurch können der durch die Schwerelosigkeit bedingte Knochen-und Muskelabbau sowie die Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems noch verstärkt werden." Die Studie unterstreiche die Bedeutung einer richtigen Beleuchtung an Bord auf einer Weltraum-Mission.

ISS nützen

Ö1 Sendungshinweis:

Über diese Studie berichtete auch "Wissen Aktuell" am 8. Jänner 2013 um 13.55 Uhr.

Der 41-jährige Forscher bedauerte, dass bei dem "Mars500"-Experiment die Simulation etwa von Schwerelosigkeit und Strahlung nicht möglich war. "Das stellt sicher eine Limitation der Studie dar. Solange uns im Orbit die Internationale Raumstation ISS zur Verfügung steht, sollten wir sie unbedingt zur Untersuchung der Langzeitfolgen von Isolation und Schwerelosigkeit auf den Menschen nutzen", sagte Basner.

science.ORF.at/dpa/APA

Mehr zum Thema: