Standort: science.ORF.at / Meldung: "Experten orten "strukturelle Diskriminierung""

Schüler in einer Klasse beim Arbeiten

Experten orten "strukturelle Diskriminierung"

Soll die Beherrschung der deutschen Sprache ein verpflichtendes Kriterium für die Schulreife sein? Was Politiker wie der Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) befürworten, stößt auf Kritik von Experten. Sie sprechen von einer "strukturellen Diskriminierung", wenn die Kinder vor Schuleintritt eigene Deutschklassen absolvieren müssen.

Sprachförderung 09.01.2013

Wenn sie wegen mangelnder Deutschkenntnisse in die Vorschule eingestuft würden, obwohl ihre motorischen, kognitiven und sozialen Kompetenzen für die Schulreife ausreichen würden, "werden dabei die sprachlichen Kompetenzen zwei- und mehrsprachiger Kinder völlig missachtet", sagt das "Netzwerk SprachenRechte", ein Zusammenschluss von Experten aus Wissenschaft und Praxis aus dem Bereich Integration und Spracherwerb

Mehr Ressourcen für gemeinsamen Unterricht

Das Netzwerk kritisiert außerdem, dass die Sprachstandsfeststellungen nicht den wissenschaftlichen Mindestanforderungen entsprächen und es auch keine Kindergartenpädagoginnen oder Volksschullehrer mit entsprechender Qualifizierung für Sprachförderung gebe.

Die Folge: Kinder mit Sprachproblemen kämen in gesonderte Klassen, "in denen dann aber die sprachliche Förderung durch mangelnde Kompetenzen der PädagogInnen erst recht nicht gewährleistet ist".

Das Netzwerk - dem unter anderem die Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia, Hans-Jürgen Krumm und Inci Dirim angehören - fordert deshalb, Kinder mit Sprachproblemen regulär in Volksschulklassen einzuschulen und "die nötigen Ressourcen für eine notwendige und sinnvolle Deutsch- und Familiensprachförderung im Regelklassenverband zur Verfügung zu stellen".

science.ORF.at/APA

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