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Winterlandschaft mit kahlem Baum vor grauem Himmel

Die Kälte brachte Pest und Kriege

In den letzten tausend Jahren war es in Osteuropa nie so warm wie heute. Historisch betrachtet vielleicht kein zwingender Nachteil: Denn Kriege und Epidemien traten vor allem in Kälteperioden auf, wie eine Analyse von Baumjahresringen zeigt.

Klimaforschung 15.01.2013

Das Team um Ulf Büntgen von der Universität Bern hat 545 Holzproben von lebenden und in Häusern verbauten Lärchen aus den nördlichen Karpaten in der Slowakei untersucht. Die Daten reichen bis ins Jahr 1040 zurück und stellen laut Angaben der Autoren die erste lückenlose Berechnung der Frühlingstemperaturen in Osteuropa dar.

Die Studie

"Filling the Eastern European gap in millennium-long temperature reconstructions", 15. Jänner 1013, PNAS (doi: 10.1073/pnas.1211485110).

Am kältesten war es demnach im Frühling 1248 sowie zwischen 1808 und 1837, wie die Forscher im US-Fachblatt "PNAS" berichten. Deutlich sichtbar war auch die "Kleine Eiszeit" zwischen 1350 und 1850, die mit Vulkanausbrüchen und verminderter Sonnenaktivität erklärt wird.

Milde Frühlinge wurden in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sowie von etwa 1400 bis 1780 beobachtet. Doch eine so drastische Erwärmung wie seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat es im gesamten Jahrtausend davor nicht gegeben. Das mit Abstand wärmste aufgezeichnete Jahr war 2011.

"Beziehungen noch nicht verstanden"

Anschließend verglichen die Forscher ihre 972 Jahre umfassende Datenreihe mit historischen Ereignissen. Es zeigte sich, dass etwa der "Schwarze Tod" Mitte des 14. Jahrhunderts, der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648 und der Russlandfeldzug Napoleons 1812 mit extremen Kälteeinbrüchen in Osteuropa zusammentrafen.

Dies bestätigt frühere Beobachtungen an Jahresringen in Mitteleuropa, dass Pestausbrüche, politische Unruhen, Migrationswellen und kriegerische Konflikte oft in Kältephasen auftreten, wie die WSL schreibt. Auch Veränderungen der Siedlungsaktivität zeigen laut den Forschern Zusammenhänge mit kältebedingtem Nahrungsmangel.

Studienleiter Büntgen warnt indes vor voreiligen Schlüssen: "Die Beziehungen zwischen Klima und Geschichte sind äußerst komplex und bei weitem noch nicht vollständig erforscht", sagte er in der Mitteilung. So tragen auch soziale, politische und medizinische Umstände zu den Auswirkungen von Klimaextremen bei.

Die als Jahresringforschung bzw. "Dendrochronologie" (von griech. dendron = Baum, chronos = Zeit, logos = Lehre) benützt die saisonalen Wachstumsringe im Holz zur Altersbestimmung. Sie kommt etwa in den Geowissenschaften, der Archäologie und der Denkmalpflege zum Einsatz, aber auch zur Bestimmung vergangener Umweltbedingungen und Klimaschwankungen.

science.ORF.at/APA/sda

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