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Römische Soldaten in Rüstung

Noricum: "Eroberung war nicht friedlich"

Die Römer haben sich das keltische Königreich Noricum, zu dem Teile des heutigen Österreich gehörten, zwar ohne Schlacht angeeignet - aber keineswegs so friedlich, wie in manchen Geschichtsbüchern steht.

Römer 16.01.2013

Dies haben Forscher um Paul Gleirscher vom Landesmuseum Kärnten bei Ausgrabungen in der Gurina-Siedlung im oberen Gailtal in Kärnten herausgefunden. Die Siedlung war in der Zeit der Besatzung mit einer Befestigungsmauer geschützt, so die Forscher, und zahlreiche römische Kriegsgegenstände würden auf eine erhebliche militärische Präsenz hinweisen.

Reißbrettstadt in okkupiertem Gebiet

Die Gurina-Siedlung wurde aus dem Boden gestampft, nachdem die Römer über den Plöckenpass aus dem heutigen Italien gekommen waren und diente zur Verwaltung der im Jahr 15. v. Chr. neu besetzten Gebiete, sagte Gleirscher im Gespräch mit der APA.

"Sie war eine Reißbrettstadt aus der Okkupationszeit mit einer Befestigungsmauer und einem großen Verwaltungsgebäude, in dem wir wohl den Sitz des Statthalters sehen dürfen", erklärte er. Geomagnetische Untersuchungen hätten allerdings gezeigt, dass die Stadt wesentlich größer ausgelegt war, als sie tatsächlich gebaut wurde.

Ein schweres Erdbeben im Jahr 9 n. Chr. sei wohl ein Grund dafür gewesen, die Stadt bald wieder aufzugeben; andererseits hätten die Römer wohl schon entschieden die Hauptstadt der neuen Provinz in den Zentralkärntner Raum zu verlagern und am Magdalensberg zu errichten, so Gleirscher.

"Friedliche Eroberung - ein Widerspruch in sich"

Für das Römische Reich mit seinen enormen Kapazitäten in der Zeit der frühen Kaiser sei es ziemlich egal gewesen, dass die Stadt nur so kurz Bestand hatte, erklärte er. Doch immerhin habe hier sicherlich viel Durchzugsverkehr geherrscht, bevor die Römer die Bernsteinstraße nach Carnuntum und eine Straße über den Brenner bauen ließen.

Mit dem Wissen aus den archäologischen Funden in der Gurina-Siedlung konnten die Forscher flächendeckend für ganz Noricum herausarbeiten, dass die Römer hier mehr Truppen hatten, als bisher angenommen. "Die große Schlacht hat es nicht gegeben", sagte Gleirscher, "aber die Noriker haben schon ein Jahr vor der Okkupation 'eins drübergezogen bekommen', als sie sich in Istrien einem Aufstand gegen die Römer anschlossen".

Die "friedliche Eroberung des Ostalpenraums" sei ein Widerspruch in sich Die Ausgrabungen in Kärnten hätten gezeigt, dass die Romanisierung dieses Gebiets so friedlich nicht war.

science.ORF.at/APA

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