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Große Frau und kleiner Mann

Kein Kompromiss bei der Größe

Viele Menschen suchen nach ihrem Traumpartner, die wenigsten finden ihn. Im echten Leben müssen Ansprüche und Erwartungen meistens gesenkt werden. In einem Punkt machen die meisten allerdings nur wenige Kompromisse: bei der Körpergröße. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine aktuelle Studie.

Partnerwahl 17.01.2013

Anspruch vs. Realität

Die Möglichkeiten bei der Partnersuche haben sich in Zeiten von Online-Partnervermittlung und Facebook vervielfacht, nichtsdestotrotz bleibt die Wahl selbst schwierig. Dies liegt vermutlich nicht zuletzt an den hohen Ansprüchen. Es geht darum, den Richtigen bzw. die Richtige zu finden - so, wie es in romantisierenden Büchern und Filmen gern dargestellt wird: Der Idealpartner sollte am besten sämtliche körperlichen Vorzüge und edlen Charaktereigenschaften in sich vereinen.

Die Realität kann mit derlei idealisierenden Vorstellungen meist nicht mithalten. Das Angebot an groß gewachsenen, gutaussehenden charmanten Männern, die auch noch gut verdienen, ist eben beschränkt. Ebenso wenig ist die Welt voll von schlanken und feinfühligen Frauen.

Angeblich sind diese überzogenen Ansprüche heute mit ein Grund dafür, dass es immer mehr Singles gibt. Will man also nicht "übrig" bleiben, muss man Abstriche machen, d.h., seine Erwartungen anpassen. Menschlich gesehen müssten Äußerlichkeiten dabei zugunsten von Wesensmerkmalen zurückgestellt werden. Aber die Biologie hat uns oft fester im Griff, als wir das wollen.

Partner mit Idealmaßen

Wie hartnäckig sich körperliche Vorlieben halten bzw. durchsetzen können, haben die Forscher um Gert Stulp von der Universität Groningen nun anhand der Körpergröße untersucht. Denn diese ist sowohl für Männer als auch für Frauen ein erstaunlich wichtiges Merkmal bei der Partnerwahl, wie man aus zahlreichen Befragungen weiß.

Demnach bevorzugen die meisten Männer kleinere Frauen, bei den Frauen ist es genau umgekehrt. Der Abstand sollte aber in beiden Fällen nicht zu groß sein. Bei sehr großen Frauen oder kleinen Männern nähert sich die gewünschte Körpergröße des Gegenübers tendenziell an. Die Präferenzen hängen also auch von der eigenen Größe ab.

Vorlieben werden umgesetzt

Die Forscher haben nun erhoben, ob und wie sehr sich diese Präferenzen bei realen Paaren wiederfinden. Verwendet haben sie Daten aus der britischen Millenium Cohort Study. Darin wurden im Jahr 2000 Informationen über ca. 10.000 Paaren gesammelt, die gerade Eltern geworden waren. Den Forschern zufolge spiegeln die konkreten Paare die bekannten Vorlieben.

Tatsächlich waren die meisten Frauen etwas kleiner als ihre Partner. Nimmt man die durchschnittlichen Körpergrößen von Männern und Frauen in westlichen Kulturen als Basis, müssten bei zwei von hundert Paaren die Frauen größer sein, in der Stichprobe kam es aber deutlich seltener vor. Und wenn die Frauen größer waren, dann meist nur geringfügig. Auch der Wunsch, wonach der Abstand nicht zu groß sein sollte, fand sich bei den Paaren wieder. Paare, bei denen der Abstand zwischen Mann und Frau größer als 25 Zentimeter ist, kommen den Forschern zufolge ebenfalls deutlich seltener vor, als das bei einer zufälligen Verteilung der Fall wäre.

Dennoch sei der Effekt nicht ganz so stark, wie die bekannten Vorlieben hätten erwarten lassen. D.h., auch hinsichtlich der Größe darf der Partner zumindest ein Stückchen von den Idealmaßen abweichen. Möglicherweise hat er dafür in anderer Hinsícht mehr zu bieten.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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