Standort: science.ORF.at / Meldung: "Extremer Regen verändert arktische Tierwelt"

Arktischer Polarfuchs auf Schneedecke

Extremer Regen verändert arktische Tierwelt

Der Klimawandel könnte die Tierwelt der Arktis stärker beeinflussen als angenommen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die den Einfluss von Extrem-Wetter auf die Gemeinschaft von Polarfüchsen, Mäusen und weiteren Tiere in Spitzbergen untersucht hat.

Klimawandel 18.01.2013

Synchrone Schwankungen

Die Studie:

"Climate Events Synchronize the Dynamics of a Resident Vertebrate Community in the High Arctic" von B.B. Hansen et al., erschienen am 18. Jänner 2013.

Brage Bremset Hansen von der Universität Trondheim und Kollegen hatten Tierzählungen von der Inselgruppe Spitzbergen aus den Jahren 1991 bis 2009 ausgewertet. Das Räuber-Beute-System ist dort sehr einfach aufgebaut: Es gibt drei Pflanzenfresser im Winter: das Spitzbergen-Rentier (Rangifer tarandus platyrhynchus), das Alpenschneehuhn (Lagopus muta hyperborea) und die neu zugewanderte Osteuropäische Feldmaus (Microtus levis). Ihnen gegenüber steht als wichtigstes Raubtier der Polarfuchs (Vulpes lagopus).

Schneehuhn und Rentier in der Arktis

Nicolas Lecomte, Norwegian Polar Institute

Alpenschneehuhn und Spitzbergen-Rentier.

Die Forscher stellten bei den Auswertungen fest, dass Schwankungen aller Tierarten oftmals synchron verlaufen. Verantwortlich dafür ist extremes Wetter - vor allem starker Regen, der auf dem Schnee eine harte Eisdecke bildet und so den Tieren den Zugang zu den Pflanzen erschwert. Während die Populationen der Rentiere, Schneehühner und Mäuse in solchen Wintern der Studie zufolge stark zurückgehen und auch im nächsten Winter niedrig bleiben, folgen die Füchse diesem Trend erst ein Jahr später. Ursache sind die toten Rentiere: Von ihnen können sich die Füchse im ersten Winter ernähren, danach jedoch nicht mehr.

Andere Arten könnten profitieren

Der Einfluss extremer Wetterbedingungen war bisher meist für einzelne Arten, nicht aber für ganze Nahrungsnetze gezeigt worden. Bei der Klimaerwärmung werde mit einer Zunahme extremer Wettersituationen gerechnet, so Hansen. Dazu gehörten mehr Regenfälle, die die Schneedecke Spitzbergens vereisen lassen.

Während spezialisierte arktische Tierarten wie Polarfuchs und Lemminge mit der Klimaerwärmung zunehmend Probleme haben werden, könnten subarktische Arten davon profitieren. Das berichteten erst vor kurzem die Forscher um Anouschka Hof von der schwedischen Universität in Umea im Online-Fachjornal "PLOS ONE".

Nach ihren Modellrechnungen werden sich bei einer weiteren Erwärmung allmählich Tierarten der südlicheren Tundragebiete nach Norden ausbreiten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Ausbreitung überhaupt möglich ist. Haupthindernisse sind die durch menschliche Eingriffe bereits heute stark vereinzelten Lebensräume vieler Arten und - wie im Falle von Spitzbergen - natürliche Barrieren.

science.ORF.at/dpa

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