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Polizei vor dem Haupteingang der Universität Wien, antisemitisches Plakat "Juden Eintritt verboten"auf der Säule, aufgenommen 1931

Hochschulen in der NS-Zeit

Es geht um frische Ideen, aber auch darum, Studenten die Möglichkeit zu geben, sich intensiv mit der Geschichte ihrer Universitäten während der Zeit des Nationalsozialismus zu beschäftigen: Im Zuge des von der ÖH initiierten Projekts "Hochschulen in der NS-Zeit" forschen Studenten an acht österreichischen Unis.

Studentenprojekt 18.01.2013

Dabei untersuchen sie unter anderem die Rolle von Studentenvertretungen, die Musikerziehung im Nationalsozialismus oder die Gedächtniskultur. Gedankenanstöße soll auch die Diskussion "Wider das Vergessen - Erinnerungspolitik an Österreichs Universitäten" bieten, die heute Abend in Wien stattfindet.

"Aufarbeitung und Erinnerung kann es nie genug geben. Man muss den Finger nicht nur darauf legen, sondern ihn auch dort lassen“, so der ÖH-Vorsitzende Martin Schott im Gespräch mit der APA. An vielen Hochschulen habe es bis jetzt kaum Möglichkeiten gegeben, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen, nun finden Seminare von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) bis zur Universität Salzburg - die sich mit der Geschichte des Mozarteums beschäftigt - statt. "Es soll den Studierenden auch bewusst werden, welche Rolle ihre Institution gespielt hat", meinte Schott.

Aufzufüllende Forschungslücken

Podiumsdiskussion:

"Wider das Vergessen - Erinnerungspolitik an Österreichs Universitäten" mit Eva Blimlinger, Rektorin Akademie der Bildenden Künste, Oliver Rathkolb, Institut für Zeitgeschichte Uni Wien und Nina Horaczek, Journalistin und Autorin, 18. Jänner, 19 Uhr, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Fanny Hensel-Mendelssohn-Saal, Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien

Auszufüllende Forschungslücken gebe es auf jeden Fall noch, erklärte der Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte an der Universität Wien, Oliver Rathkolb sei etwa der konkrete Studienalltag noch wenig erforscht. "Je mehr man in die Studienpraxis hineingeht, desto schwieriger wird es", so Rathkolb gegenüber der APA. Auch die Kontinuitäten nach 1945 in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre bedürften noch eines genaueren Blicks. "Hier soll eine junge Generation das Thema neu und für sich selbst entdecken. Quellen werden anders interpretiert und neue Zugänge entwickelt. Das ist das Spannende."

Die Bandbreite der Arbeiten der rund 50 Studenten erstreckt sich von der Aufarbeitung einzelner Institute und Fachrichtungen wie etwa der Darstellenden Geometrie oder der Heilpädagogik bis hin zu spezielleren Themen wie politisch motivierten Disziplinarverfahren gegen Studenten und Lehrpersonal im Austrofaschismus, dem Nationalsozialistischen Studentenbund an der Boku oder der Entnazifizierung der Unis nach 1945. Ein Schwerpunkt liegt aber auch auf den Kontinuitäten und Umbrüchen an den einzelnen Hochschulen. Denn Nationalsozialismus dürfe man nicht an der Jahreszahl 1939 festmachen, wie Rathkolb betonte: "Das hat auf der Ebene der Mentalitäts- und Ideologiegeschichte eine Vorgeschichte, die bis in die 1870er zurückgeht."

Die Podiumsdiskussion soll den Bogen in die Gegenwart spannen und ist gleichzeitig Auftakt eines Wochenendes, an dem die Studenten ihre Projekte und Ergebnisse präsentieren. Nach Abschluss des Projektes sollen die entstandenen Arbeiten zudem gesammelt als Publikation erscheinen.

science.ORF.at/APA

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