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Mikroskopiebild des neuen 3D-Zellkultursystem: Lymphgewebezellen bilden auf Mikrokügelchen Zellaussprossungen

Nanopartikel lassen Krebszellen "verhungern"

In Österreich erkranken jährlich knapp 1.200 Menschen am Non-Hodgkine-Lymphom, der häufigsten Form des Lymphdrüsenkrebses. US-Mediziner präsentierten nun eine neue Methode zur Bekämpfung dieser aggressiven Krankheit: Sie gaukeln den Krebszellen mit Hilfe von winzig kleinen Goldteilchen Nahrung vor und hungern sie aus.

Medizin 22.01.2013

Die Methode wird erst getestet, scheint aber laut Studie von C. Shad Thaxton und Leo Gordon von der Northwestern University vielversprechend. Ihnen ist es gelungen, Krebszellen zu töten, ohne ein Medikament einzusetzen.

Die Studie:

"Biomimetic, synthetic HDL nanostructures for lymphoma" erscheint zwischen 21. und 25. Jänner 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI:10.1073/pnas.1213657110).

Cholesterin nachbauen

Eigentlich konzentrierte sich C. Shad Thaxton mit seinem Team auf die Erforschung des HDL-Cholesterins. Im Unterschied zum LDL-Cholesterin wird ihm gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben, weil es in Gefäßwänden eingelagertes Blutfett herauslöst und abtransportiert. Dadurch schützt es die Gefäße und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Der US-Mediziner arbeitet schon länger an der Entwicklung von Nanopartikeln, die die molekulare Struktur des "guten" Cholesterins imitieren. Sie könnten, so die Hoffnung der Forscher, neue Therapien für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglichen.

Zufallsbekanntschaft

Selbsthilfegruppe:

Informationen über die verschiedenen Formen des Lymphoms, Behandlung und Kontakte zu anderen Betroffenen bietet die Lymphom Selbsthilfegruppe und die Österreichische Krebshilfe.

Über seine Arbeit berichtete Thaxton 2010 im Rahmen eines Vortrags an der Northwestern University - und wie es der Zufall so wollte, saß Leo Gordon im Publikum. Der Krebsforscher hatte bei vielen seiner Patienten mit fortgeschrittenem B-Zellen-Lymphom beobachtet, dass ihr HDL-Spiegel sank. Er vermutete einen Zusammenhang mit dem Wachstum der Krebszellen.

Gemeinsam begannen sie, mit HDL-ähnlichen Nanopartikeln aus Gold zu experimentieren. Zu ihrer Überraschung zeigte sich, dass die fünf Milliardstel Meter großen Teilchen die Zellen schnell absterben ließen - egal, ob sie im Rohzustand an den Zellen andockten oder ob sie einen Wirkstoff ablieferten. Des Rätsels Lösung liegt laut Thaxton und Gordon darin, dass die Krebszellen sich von HDL-Cholesterin ernähren. Deshalb versuchen sie auch das in Form der Nanopartikel nachgebaute Cholesterin aufzunehmen, was ihnen zum Verhängnis wird: Die schwammartige Oberfläche des Teilchens saugt das Cholesterin in der Krebszelle ab, während der Goldkern verhindert, dass neues aufgenommen wird. Die Folge: Die Krebszelle "verhungert" regelrecht.

Nicht giftig für Umgebung

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Studie berichtete auch "Wissen Aktuell" am 22. Jänner 2013 um 13.55 Uhr.

Leo Gordon sieht in der neuen Methode "das Potenzial, eine Krebsbehandlung ohne Chemotherapie und ihre Nebenwirkungen zu werden." Positiv sei außerdem, dass "Gold gut verträglich mit biologischen Systemen scheint", ergänzt C. Shad Thaxton. Bisher gebe es aus den Versuchen an Mäusen und an Zellkulturen jedenfalls keinen Hinweis, dass die Nanopartikel toxisch auf ihre Umgebung wirken könnten. Aber auch hier gilt, wie bei so vielen medizinischen Studien: Bis zur möglichen Anwendung am Menschen baucht es noch viele weitere Tests.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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