Standort: science.ORF.at / Meldung: "Computerspiele gegen psychische Probleme"

Eine Kinderhand tippt auf einer Computertastatur.

Computerspiele gegen psychische Probleme

Der Psychologe Manuel Sprung verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz für die Behandlung psychischer Probleme bei Kindern: Er setzt auf Computerspiele. Sie sind dafür konzipiert, spezielle Fähigkeiten aufzubauen und zu stärken, die Kindern beim Umgang mit und in der Vorbeugung vor psychischen Belastungen helfen können.

Therapie 24.01.2013

Über diese "Games4Resilience" (Spiele für Widerstandsfähigkeit, Übers.) spricht Sprung heute bei seiner Antrittsvorlesung als Professor für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Wien.

Versteckte Probleme

Antrittsvorlesung von Manuel Sprung:

"Games4Resilience: Vorsorge und 'Schutzimpfung' in der Klinischen Kinder- und Jugendpsychologie", Donnerstag, 24. Jänner 2013, 18.00 Uhr, Großer Festsaal im Hauptgebäude der Universität Wien.

Bei Therapien von psychischen Problemen habe es in den vergangenen Jahrzehnten "unglaubliche Durchbrüche" gegeben, so der Wissenschaftler gegenüber der APA. Aber nur ein Bruchteil der Betroffenen bekäme tatsächlich eine Behandlung. Gerade in der Kinder- und Jugendpsychologie liege der Fokus auf Problemen, die sich durch sichtbares auffälliges Verhalten äußern. Sprung: "Das sind Probleme, die andere sehen - die auch stören." Häufiger seien aber jene, "die sich nach innen richten, wie Ängste, Sorgen oder Depressionen". Kann jemand diese Dinge nicht ausdrücken, bleiben sie oft im Verborgenen.

Viele würden auch vor einer Behandlung zurückschrecken, da Stigmatisierung durch die Krankheit drohe und viele Menschen Probleme bei sich auch gar nicht wahrnehmen würden. Um speziell Kinder anzusprechen, hat Sprung überlegt, was ihnen Freude macht. Sein Ergebnis: Computerspielen.

Der Wissenschaftler baut "wirksame und geprüfte Methoden und Elemente von Behandlungen" in die Spiele ein. Sprungs Vision ist es, einen Behandlungsansatz zu entwickeln, mit dem - abgestimmt auf die jeweiligen Bedürfnisse - verschiedene Probleme bearbeitet werden können. Mithilfe der Spiele könnten Ängste vor und die oftmals geringe Motivation, in die Therapie zu kommen, überwunden werden.

Spiel als Teil der Therapie

An dem im Zuge seiner Berufung im Herbst 2011 an der Uni Wien eingerichteten "Games4Resilience Lab" haben Sprung und seine Kollegen bereits zwei Computerspiele entwickelt, "die grundlegende Fähigkeiten fördern sollen, die auch Grundvoraussetzung für die Teilnahme an einer Therapie sind". Eines zielt auf den Aufbau von Selbst- und Aufmerksamkeitskontrolle sowie planerischem Denken ab - Fähigkeiten, die etwa bei Aufmerksamkeits- oder Lernstörungen bedeutsam sind. Im zweiten Spiel befragt man als Detektiv Zeugen. Dabei dreht sich alles um das Erkennen von Intentionen und Emotionen des virtuellen Gegenübers.

In der zweiten Projektphase werden Spiele entwickelt, die auf die Behandlung ganz konkreter Probleme abzielen. So soll eine Computerspielplattform entstehen, "wo man den Kindern und ihren Eltern verschiedene Spiele für die häufigsten Probleme wie etwa im Sozialverhalten, Ängstlichkeit, Depression, Aufmerksamkeitsstörungen und traumatische Erfahrungen anbieten kann", so Sprung.

Von den Computerspielen erhofft sich der Psychologe auch, dass sie Kindern dabei helfen, Fähigkeiten aufzubauen, die sie vor psychischen Problemen schützen. Ein weiterer Vorteil des Ansatzes sei, dass man auch Kindern helfen könnte, deren Probleme nicht dem Vollbild einer psychischen Störung entsprechen, die also nicht unbedingt eine Psychotherapie brauchen.

Dazu komme, dass ein Psychologe nicht unendlich viele Kinder versorgen könne, ein Spiel jedoch schon. Klar sei zwar, dass die Spiele nur Teil "eines gestuften Vorgehens in der Behandlung" sein können. "In vielen Fällen können es die Spiele vielleicht alleine richten, in schweren Fällen aber nicht", so Sprung.

science.ORF.at/APA

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