Standort: science.ORF.at / Meldung: "Kulturwandel bei wissenschaftlicher Ausbildung"

Studierende aus den USA bei der Abschlussfeier, im Vordergrund eine Frau

Kulturwandel bei wissenschaftlicher Ausbildung

Bei der Ausbildung von wissenschaftlichem Nachwuchs hat es laut Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) einen "Kulturwandel" gegeben. Immer mehr Dissertanten werden in sogenannten Doktoratskollegs (DK) ausgebildet. Seit 2004 hat der Wissenschaftsfonds FWF 37 solcher DKs mit knapp 108 Mio. Euro finanziert.

Doktoratskollegs 24.01.2013

Derzeit werden rund 380 Dissertanten in solchen Programmen ausgebildet, tatsächlich profitieren aber deutlich mehr Personen von den Kollegs. Zudem würden die Unis ihr Forschungsprofil durch solche DKs verstärken, sagte Töchterle bei einer Pressekonferenz in Wien.

Arbeit im Team

Eine Dissertation war und ist in vielen Fällen auch heute noch "eine einsame Angelegenheit", so Molekularbiologin Renee Schroeder. Für FWF-Präsident Christoph Kratky folgte die Doktoranden-Ausbildung früher dem "Meister-Schüler-Prinzip", das sei in vielen Fächern auch heute noch gang und gäbe.

In den - vorwiegend im naturwissenschaftlichen Bereich eingerichteten - Doktoratskollegs gebe es dagegen eine "kollektive Betreuung eines Kollektivs". Der FWF finanziert pro DK zehn Dissertanten. Weil die Programme aber so attraktiv seien, würden bis zu 50 aus anderen Quellen bezahlte Doktoranden mitausgebildet. Sie forschen dabei meist im Rahmen eines größeren Programms, sind angestellt und werden nicht nur von ihrem "Doktorvater" betreut, sondern von einem ganzen Team. Dafür bedürfe es einer "kritischen Größe exzellenter Betreuer", wodurch die Unis gezwungen seien, sich zu konzentrieren und Forschungsschwerpunkte zu setzen, so Töchterle. Sein Ressort hat 2012 zusätzlich 18 Mio. Euro für die Doktoratsausbildung bereitgestellt.

Gute Karrierevorbereitung

Für Töchterle ist diese Form der Doktorandenausbildung "Nachwuchsförderung, die junge Leute auf exzellente Art und Weise auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereitet". Um ihnen eine weitere Beschäftigungsperspektive zu bieten, habe man die Unis gebeten, "möglichste viele Qualifizierungsstellen zu schaffen". "Wir müssen es aber aushalten, dass viele Leute aus Österreich weggehen, das ist das Wesen der Wissenschaft, ein Geben und Nehmen", so Töchterle.

Kratky betonte die Bedeutung einer langfristigen Perspektive, weshalb der FWF Doktoratskollegs - mit Zwischenevaluierungen - zwölf Jahre fördere. Angesichts eines Wachstums von vier bis fünf neuen DKs pro Jahr, "sieht man, dass uns das in finanzielle Schwierigkeiten bringen muss", so der FWF-Chef. Deshalb diskutiere man im FWF, "ob nicht unsere Mission erfüllt ist" und man die DK-Förderung nicht wieder in Richtung Unis zurückgebe. Das Wissenschaftsministerium habe mit seiner zusätzlichen 18 Mio.-Euro-Finanzierung die Richtung vorgegeben. Die mit diesen Mitteln geförderten DKs müssten nach vier Jahren von den Unis übernommen werden.

Angesichts von insgesamt knapp 29.000 Doktoratsstudenten in ganz Österreich mag die Zahl der in Doktoratskollegs ausgebildeten Dissertanten gering erscheinen. Schroeder verwies aber darauf, dass es durch die DKs zu "einer enormen Qualitätssteigerung" und einem "kollateralen Nutzen" für die gesamte Einrichtung gekommen sei.

science.ORF.at/APA

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