Standort: science.ORF.at / Meldung: "Von der "Reinrassigkeit" zur Vielfalt"

steinzeitjäger aus der neuen Ausstellung am Naturhistorischen Museum

Von der "Reinrassigkeit" zur Vielfalt

Nach 16 Jahren Schließzeit wurden am Mittwoch die anthropologischen Schausäle des Naturhistorischen Museums Wien wieder eröffnet. Geschlossen waren sie v.a. wegen des sogenannten "Rassensaals", in dem sich Menschenbilder des Nationalsozialismus gehalten hatten.

Museum 29.01.2013

Die 1997 zuständige Ministerin, Elisabeth Gehrer, hatte beim Vorstand des Instituts für Humanbiologie der Universität Wien, Horst Seidler, ein Gutachten in Auftrag gegeben, in dem dieser harte Kritik am "Rassensaal" übte. Der für die Ausstellung zuständige Abteilungsleiter Johann Szilvassy musste mit Jahresende in den Ruhestand treten.

Nach Gutachten geschlossen

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Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 29.1., 13:55 Uhr.

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Für Seidler stützte sich "das pädagogische Konzept des Rassensaals auf einen längst überholten und wissenschaftlich unhaltbaren Rassenbegriff ... Vor allem junge Menschen werden mit dem traditionellen typologisch-statischen Rassenbegriff so konfrontiert, als wäre dies der letzte Stand der Wissenschaft", hieß es in dem Gutachten Seidlers.

Aus der Sicht der Genetik trage die Durchmischung von Bevölkerungen zur Erhöhung der "biologischen Fitness" bei, wogegen "Reinrassigkeit" über die Zeit hin dramatische Einbuße an "biologischer Fitness" bedeute, so Seidler damals.

"Regenbogen der Entwicklung des Lebens"

Seit Mittwoch gibt es also wieder eine Dauerausstellung am Naturhistorischen Museum, die sich mit der Entwicklung der Hominiden beschäftigt. Man bemühe sich, im Museum den "Regenbogen der Entwicklung des Lebens abzudecken", betonte Generaldirektor Christian Köberl. Und dazu gehöre eben auch die Menschwerdung.

Zwei Säle mit 580 Quadratmetern mögen für eine Zeitspanne von zehn bis 15 Millionen Jahre nicht gerade üppig erscheinen, doch der zuständigen Direktorin Maria Teschler-Nicola ist dies laut APA durch die Konzentration auf die Bereiche "aufrechter Gang" und vor allem "Gehirnentwicklung", samt der Entstehung der Kommunikation, Sozialisation, Sprache und Kultur, durchaus gelungen.

science.ORF.at/APA

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