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Betrunkene Jugendliche mit leeren Flaschen

"Komasaufen" könnte Diabetes verursachen

Große Mengen Alkohol in kurzer Zeit zu sich zu nehmen kann laut einer neuen Studie Typ 2-Diabetes verursachen. Forscher haben bei Versuchen an Ratten Hinweise gefunden, dass der Alkohol die Wirkung des körpereigenen Insulins auf das Gehirn herabsetzt.

Medizin 31.01.2013

"Individuen mit einer 'binge drinking'-Geschichte haben ein erhöhten Risiko, Typ 2-Diabetes zu entwickeln", schreiben Claudia Lindtner von der School of Medicine in New York und ihre Co-Autoren, darunter auch Thomas Scherer von der MedUni Wien.

Die Studie:

"Binge Drinking Induces Whole-Body Insulin Resistance by Impairing Hypothalamic Insulin Action" von Claudia Lindtner und Kollegen ist am 30.1. in "Science Translational Medicine" erschienen.

Gestörter Hormonhaushalt

Um die Mechanismen zu klären, gaben die Wissenschaftler drei Tage lang Ratten als Versuchstiere eine für sie hohe Dosis Alkohol. Das Ergebnis: "Diese Tiere waren bis zu 54 Stunden nach der letzten Alkoholdosis insulinresistent, vor allem, weil das (körpereigene, Anm.) Insulin an Wirkung auf die Leber und das Fettgewebe verlor."

Weitere Studien zeigten, dass dieser Effekt zumindest teilweise auf eine Störung der Wirkung des Hormons auf die Hypothalamus-Region zurückzuführen. Der Hypothalamus ist die oberste Schaltzentrale des Hormonsystems. Nachgewiesen wurden eine Entzündung in der Gehirnregion und die vermehrte Produktion eines Enzyms, das die Signale des Insulins abschwächt.

Auswirkung auf Zuckerstoffwechsel

Durch die Hemmung des Enzyms mit einer Wirksubstanz konnte die aufgetretene Insulinresistenz bzw. die Intoleranz gegenüber dem Blutzucker bei den Versuchstieren wieder rückgängig gemacht werden. Jedenfalls zeigt die Studie offenbar, dass die neurotoxischen Wirkungen hohen Alkoholkonsums bis auf den Zuckerstoffwechsel durchschlagen können.

In den USA werden bei Personen unter 21 Jahren 90 Prozent des Alkohols bei exzessiven Gelagen getrunken. "Binge drinking" ("Komasaufen") ist in den vergangenen Jahren in vielen westlichen Staaten ein Problem geworden.

science.ORF.at/APA

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