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Der Kopf des Roboy

Roboy: Ein Roboter zum Selberbasteln

Schweizer Forscher bauen gerade an einem neuen Roboter, der in mehrerer Hinsicht bemerkenswert ist. Bewegen soll er sich sehr ähnlich wie ein Mensch, finanziert wird er auf einem für die Wissenschaft unüblichen Weg - über Crowdfunding.

Technologie 08.02.2013

Das Geld beim Crowdfunding stammt nicht von klassischen Förderinstitutionen, sondern von einer Vielzahl von Privatpersonen und Sponsoren. 400.000 Euro soll der neue Roboter kosten, rund zwei Drittel wurden bereits gespendet.

Dreh- und Angelpunkt ist das Internet. Nicht nur die Finanzierung läuft durch die User, über Facebook wurde auch über das Aussehen des neuen Roboters abgestimmt. Herausgekommen ist dabei ein sehr menschenähnliches Antlitz, wie auf den Bildern links zu sehen ist.

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 7.2., 13:55 Uhr.

Rumpf und Kopf von Roboy

roboy.org/awtec

Rumpf und Kopf des Roboy

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Entwicklung via Open Source

Das passt insgesamt zu "Roboy", dessen Menschenähnlichkeit die Forscher nicht nur in seinem Namen - eine Abkürzung von Robotic und Boy - betonen. Die Zeit für seine Herstellung von neun Monaten ist für ein ambitioniertes Forschungsprojekt dieser Art nicht nur knapp, sondern soll wohl auch an die durchschnittliche "Produktionsdauer" von uns Menschen erinnern.

Ausgehend vom Vorgänger-Roboter Ecce wird am Roboy seit Juni 2012 gearbeitet. Nachdem Torso, Rumpf und Beine noch im Vorjahr entwickelt worden waren, wurde Roboy im Jänner zusammengeschraubt. Die angewandte Technologie ist nicht geheim, sondern Open Source.

"Wir stellen sämtliche Entwicklungsschritte, also die Computer Edit Design Diagramme, die elektronischen Schaltschemata etc., ins Internet. D.h. jedermann kann Vorschläge machen, wie man ein Problem lösen kann, und kann diesen Roboter im Prinzip nachbauen", erklärt der Robotiker und Projektleiter Rolf Pfeifer von der Universität Zürich.

Sehnengesteuerter Roboter

Der Roboy sieht, wie sein Name schon verrät, aus wie ein Bub: 1,30 Meter groß, mit rundem Kopf und - kindchenschemagemäßen - großen blauen Augen.

Er soll nach dem Wunsch seiner Erbauer nicht nur das Erscheinungsbild eines Menschen haben, sondern auch seine innere Struktur: ein künstliches Muskel-Skelett-System, mit dem der Bewegungsapparat des Menschen studiert werden kann. Das Zauberwort dabei heißt: Sehnensteuerung.

"Es gibt bei Robotern mit Ausnahme der Hände nur sehr wenige sehnengesteuerte Systeme", erklärt Pfeifer. "Die meisten Industrieroboter, aber auch der humanoide Roboter Asimo von Honda haben die Motoren in ihren Gelenken. Wir Menschen verfügen aber über Muskeln und Sehnen, mit denen wir uns bewegen."

Und genau diese werden bei Roboy imitiert. Bei ihm sitzen die Elektromotoren nicht in den Gelenken, sondern näher am Körper, was geschmeidigere und menschenähnlichere Bewegungen ermöglicht. Die Gelenke werden über künstliche Sehnen gesteuert, die die Knochen des Skeletts miteinander verbinden.

Österreichische Beteiligung

30 Partner - darunter die ETH Zürich, die Universität Zürich und die TU München - machen bei dem Projekt mit. Auch der Vorarlberger Modellbauer 1zu1 Prototypen ist dabei. "Wir liefern Computer-Aided-Design-Diagramme und per 3-D-Drucker produziert die Firma dann z.B. eine ganze Hand mit den Gelenken. Wir müssen dann die Sehnen nur noch entsprechend reinziehen", erklärt Pfeifer.

Ob sich Roboy letztlich tatsächlich so ähnlich bewegen kann wie Menschen, wie es die Forscher erhoffen, wird man am 8. März sehen. Dann soll er auf der Robotermesse "Robots on Tour" in Zürich öffentlich vorgestellt werden.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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