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Regenwald im Amazonasgebiet

Reaktion der Regenwälder

Britische Forscher haben die Reaktion von Regenwäldern auf den Klimawandel quantifiziert: Ein Grad Erderwärmung bedeutet, dass in etwa 50 Milliarden Tonnen weniger Kohlenstoff gebunden werden können.

Klimawandel 07.02.2013

Die tropischen Regenwälder werden oft als "grüne Lunge" unseres Planeten bezeichnet, da sie Kohlenstoffdioxid aus der Luft aufnehmen und als Abfallprodukt Sauerstoff wieder ausstoßen. Wie viel CO2 in diesem lebenswichtigen Kreislauf umgewandelt wird, hängt allerdings davon ab, wie sehr das Klima von Jahr zu Jahr schwankt. Ob es zu einem Regenwaldsterben im Zuge der Erderwärmung kommt, ist bisher unklar.

Die Studie:

"Sensitivity of tropical carbon to climate change constrained by carbon dioxide variability" von Peter M. Cox etal. ist am 6. Februar 2013 in "Nature" erschienen.

Britische Wissenschaftler präsentieren nun einen neuen Weg, um zu bestimmen, wie sich der Klimawandel auf sensible Ökosysteme wie den Regenwald auswirkt. Denn obwohl Kohlendioxid in der Atmosphäre stetig zunimmt, variiert die genaue Menge jährlich abhängig davon, ob das tropische Klima wärmer und trockener oder feuchter und kühler ist.

Regenwaldsterben unwahrscheinlich

Dem Modell der Forscher zufolge führt ein Anstieg der tropischen Temperatur um ein Grad dazu, dass etwa 50 Milliarden Tonnen Kohlenstoff von den Pflanzen nicht aufgenommen werden können. Der Schluss, den sie daraus ziehen ist trotzdem beruhigend: Durch die Erwärmung wird zwar mehr Kohlenstoff frei, doch die wachstumsfördernde Wirkung des CO2 sorgt auf der anderen Seite dafür, dass genug Bäume nachwachsen, die den Kohlenstoff binden können. Sollte die düngende Wirkung allerdings nicht so groß sein wie angenommen, werden tropische Regenwälder unter dem Klimawandel spürbar leiden.

Chris Jones, Co-Autor der Studie sagt: "Die langanhaltende Gesundheit der tropischen Regenwälder hängt von ihrer Fähigkeit ab, sowohl dem wechselnden Klima als auch der Abholzung standzuhalten. Unsere Forschung hat das erstere Problem beleuchtet, aber das andere bleibt wohl ein signifikanter Druckpunkt für das Ökosystem."

Kollaps durch Monokulturen

Die Studie:

"Diversity loss with persistent human disturbance increases vulnerability to ecosystem collapse" von A.S. MacDougall et al ist in "Nature" am 6. Februar 2013 erschienenen.

Das menschliche Eingreifen in Ökosysteme war auch Thema einer weiteren aktuellen Studie. Zehnjährige Beobachtungen der Graslandschaften auf Vancouver Island ergaben, dass eine höhere Biodiversität, sprich eine Vielzahl an Pflanzen- und Tierarten, einem Zusammenbruch von Ökosystemen durch menschliche Einflüsse vorbeugt. Ertragreiche Monokulturen, wie sie in der Landwirtschaft oft bevorzugt werden, sind anfälliger unter Klimaveränderungen zu kollabieren. Gegen Probleme wie Verwaldung oder Feuer zeigten sich Weiden mit durchmischten Gräsern als robuster gegenüber monokulturellen Grasflächen.

Viele Ökosysteme seien bereits an einem "tipping point" angelangt, es drohe vor allem Verwaldung oder Wüstenbildung, so Verfasser der Studie, Kevin McCann.

science.ORF.at

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