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Liebespaar am Meer

Wie Schönheit den Sex beeinflusst

Attraktive Frauen haben einer Studie zufolge weniger Sexualpartner als der Durchschnitt. Bei Männern ist es umgekehrt: Hier erhöht gutes Aussehen die Zahl der Partnerinnen.

Partnerwahl 11.02.2013

Elizabeth McClintock, Soziologin an der University of Notre Dame, ist Spezialistin für Liebesg'schichten und Heiratssachen. In einer ihrer letzten Studien, "Handsome Wants as Handsome Does" lautet ihr Titel, hat sie den Einfluss der Attraktivität auf die Partnerwahl untersucht.

"Die Partnerwahl wird häufig als Wettbewerb interpretiert, bei dem die Suchenden ihre positiven Eigenschaften gegen einen möglichst begehrenswerten Partner eintauschen", sagt McClintock. "Diese Marktmetapher wurde vor allem auf den Tausch Schönheit gegen Einkommen bei Heiratswilligen angewandt, aber sie kann auch das Wahlverhalten junger Menschen erklären."

Studien

"Handsome Wants as Handsome Does: Physical Attractiveness and Gender Differences in Revealed Sexual Preferences", Biodemography and Social Biology (doi: 10.1080/19485565.2011.615172).

"Desirability, Matching, and the Illusion of Exchange in Partner Selection", bislang unpubliziert.

McClintock fand unter anderem heraus, dass äußerst gutaussehende Frauen ihr Äußeres dazu benutzen, um Kontrolle über den Fortgang der Beziehung zu gewinnen. Sie bevorzugen Langzeitbeziehungen und bestimmen zu Beginn den Grad der Verbindlichkeit. So lassen sie etwa Sex in der ersten Woche seltener zu als der Durchschnitt.

Grundsätzlich gilt: Attraktive Frauen haben weniger Sexualpartner. Männer indes scheinen solche Vorteile anders zu investieren: Attraktive Männer haben laut Statistik nämlich mehr Partnerinnen. Bei Frauen ist die Zahl der Partner überdies mit dem Körpergewicht korreliert. Je schlanker die Frau, desto weniger Sexualkontakte.

Donald Trump ist die Ausnahme

Ein interessantes Detail zum Klischee der "Trophäen-Frau" weiß McClintock ebenfalls zu berichten. In ihrer bislang unpublizierten Studie "Desirability, Matching, and the Illusion of Exchange in Partner Selection" hat sie den Abtausch von Schönheit mit Wohlstand untersucht - und wenig Belege für dieses Stereotyp gefunden. "Natürlich kommt das hin und wieder vor", so McClintock, Donald Trump und seine Ehefrau Melania Knauss-Trump seien etwa ein Beispiel für einen Handel dieser Art. Statistisch sieht die Sache allerdings anders aus.

"Bisherige Studie hatten einen Zusammenhang zwischen der Attraktivität von Frauen und dem Status ihrer Männer gefunden." Aber in diesen Analysen haben man zwei wichtige Punkte übersehen, sagt die US-Soziologin: "Erstens sind Menschen mit höherem Status grundsätzlich attraktiver. Sei es, weil sie mehr auf ihren Körper achten oder weil sie sich die schönere Kleindung leisten können. Zweitens ist Ähnlichkeit der mit Abstand größte Selektionsfaktor der Partnerwahl. Wir suchen ähnliche Partner in Bezug auf Bildung, Religion, ethnische Herkunft - und nicht zuletzt auch die Attraktivität."

Rechne man diese Faktoren aus den Daten heraus, verschwinde auch das scheinbar verbreitete Tauschgeschäft Geld gegen Schönheit. "Ich finde kaum Belege für den Tausch", resümiert McClintock. "Aber ich finde jede Menge Belege für die Angleichung von Frauen und Männern."

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