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Ein Goldklumpen in der Hand eines Goldsuchers

Erdbeben können Goldadern erzeugen

Goldadern entstehen mitunter im Instantverfahren, berichten australische Forscher: Erdbeben führen zur Anreicherung des Edelmetalls, der Prozess dauert lediglich ein paar Zehntelsekunden.

Geologie 19.03.2013

Dass Goldadern bzw. -bänder aus in Wasser gelösten Mineralien entstehen, wissen Gelogen schon lange. Neu ist allerdings die Erkenntnis, wie rasch dieser Prozess mitunter abläuft.

Dion Weatherley und Richard Henley haben nun die physikalischen Wirkungen von Erdbeben verschiedener Größenordnungen in der Erdkruste berechnet und in "fault jogs" - den Verbindungslinien zwischen geologischen Verwerfungen - Erstaunliches festgestellt. Dort führen Erdbeben nämlich zu einem rapiden Druckverlust, was wiederum zu einer Auskristallisierung von Mineralien führt.

Die Studie

"Flash vaporization during earthquakes evidenced by gold deposits", Nature Geoscience (17.3.2013; doi: 10.1038/ngeo1759).

Wie die beiden im Fachblatt "Nature Geoscience" schreiben, lässt ein Beben der Stärke 4 in einer Tiefe von 11 Kilometern den Druck von 290 auf 0,2 Megapascal absacken. (Zum Vergleich: Der Luftdruck in Seehöhe liegt bei rund 0,1 Megapascal). Unterirdisches Wasser hat in dieser Region eine Temperatur von rund 390 Grad und verdampft durch den Druckverlust augenblicklich. "Flash vaporization" nennen Geologen diesen Vorgang.

Zurück bleiben die vormals im Wasser gelösten Mineralien in nun kristalliner Form, wie zum Beispiel Quarz plus Gold. Laut Weatherley und Henley sind stärkere Beben für die Bildung von Goldadern eher nicht geeignet, schwächere indes schon. Selbst Minibeben der Magnitude 2 könnten via spontanem Druckabfall zur Bildung von Goldablagerungen führen. Möglichweise ist das der Grund dafür, dass Quarz häufig von feinen Goldbändern durchzogen ist, sagt Weatherley gegenüber dem Newsdienst von "Nature".

"In einem Verwerfungssystem ereignen sich pro Jahr tausende kleine Beben. Das könnte innerhalb von hunderttausenden Jahren zur Ablagerung großer Goldmengen führen. Kleine Dinge summieren sich eben." Laut Weatherley könnte die Studie auch in wirtschaftlicher Hinsicht von Belang sein. Wo es viele "fault jogs" gebe, seien auch erkleckliche Goldvorkommen zu erwarten.

Robert Czepel, science.ORF.at

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