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Ein Stethoskop liegt auf einem Laptop

Suchmaschine findet seltene Krankheiten

Dänische Forscher haben eine Suchmaschine entwickelt, die bei ungewöhnlichen Symptomen die richtige Diagnose liefern soll. Erste Tests zeigen: Sie ist deutlich leistungsfähiger als Google.

Medizin online 20.03.2013

Das Internet ist das Schlaraffenland des Hypochonders. Aber auch Fachleute greifen immer öfter auf medizinische Fachinformationen im Web zurück. Wie Untersuchungen zeigen, gehört die Konsulation von "Dr. Google" in strittigen Fällen bereits zum Klinikalltag. Das ist bzw. wäre besonders bei seltenen Krankheiten notwendig, deren korrekte Diagnosen oft Jahre oder gar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. "Selten" ist eine Krankheit dann, wenn sie bei weniger als einer von 2.000 Personen auftritt.

Leider ist gerade in diesen Fällen die konventionelle Suche im Internet eher ungeeignet. Denn Googles PageRank-Algorithmus stuft Webseiten dann als wichtig ein, wenn viele Links auf sie verweisen. Wobei besonders jene Links von Bedeutung sind, die ihrerseits von wichtigen Websites stammen. Seltene Krankheiten indes widersprechen diesem Prinzip. Was definitionsgemäß selten ist, lässt sich mittels Linkpopularität nur unzureichend erfassen.

"Erwarten Sie kein Zebra"

Die Studie

"FindZebra: A search engine for rare diseases", International Journal of Medical Informatics (26.2.2013; doi:10.1016/j.ijmedinf.2013.01.005).

Es sei denn, man optimiert eine Suchmaschine für diesen Zweck. Das haben kürzlich dänische Wissenschaftler getan. "Find Zebra" heißt das neue Werkzeug für den webaffinen Mediziner, das nun im "International Journal of Medical Informatics" vorgstellt wurde. Der Name leitet sich von einem Satz des US-Mediziners Theodore E. Woodward ab, der in den 1940ern (an seine Kollegen gerichtet) gesagt haben soll: "Wenn Sie Hufe klappern hören - erwarten Sie nicht, dass ein Zebra auftaucht." Stimmt schon, in den meisten Fällen wird es wohl ein Pferd sein. Aber manchmal ist das Pferd eben doch ein Zebra, sprich: eine seltene Erkrankung.

Wie die Forscher um Radu Dragusin von der Universität Kopenhagen schreiben, basiert "FindZebra" im Wesentlichen auf zweierlei Zutaten: einem Index, der mit Hilfe verschiedener Datenbanken zu seltenen Krankheiten, wie etwa das "Online Mendelian Inheritance in Man" und das "Genetic and Rare Diseases Information Center", erstellt wurde; sowie die Open-Source-Software "Indri" - ein Tool Kit, der eigens für Textanalysen und Informationsabfragen entwickelt wurde.

Deutlich besser als Google

Ö1-Sendungshinweis

Seltenen Krankheiten widmet sich auch ein Bericht in "Wissen aktuell", 20.3.2013, 13:55 Uhr

Die Eingabe folgender Symptome - "46 Jahre alte Frau, Ptosis, Akanthozyten, Durchfall, Ataxie und Parästhesie" - brachte mittels "FindZebra" das richtige Ergebnis, nämlich eine Störung des Fettstoffwechsels namens Bassen-Kornzweig-Syndrom. Suchanfragen via Google in drei Versionen brachten hingegen kein Ergebnis, ebenso eine Suche in der Medizindatenbank "PubMed". Ähnlich das Resultat bei 55 weiteren Tests: "FindZebra" war "PubMed" und Google fast immer überlegen. Auch dann, wenn der Zugriff von letzterem auf die verwendeten Datenbanken zu seltenen Krankheiten fokusiert wurde ("Google Restricted").

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der Google-Algorithmus für diesen Zweck suboptimal ist", lautet das Resümee der Forscher. Unter www.findzebra.com können sich auch Laien auf die Suche nach Zebrapathologien begeben, wenngleich das den Architekten der Suchmaschine nur bedingt ins Konzept passt. "Achtung!", steht auf der Website zu lesen, "FindZebra ist ein Forschungsprojekt und sollte nur von medizinischen Fachleuten verwendet werden."

Robert Czepel, science.ORF.at

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