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Weiße Handschuhe und Zauberstab

Forscher machen Zylinder unsichtbar

Mit einem neuartigen Tarnmantel haben Forscher einen etwa handgroßen Zylinder verschwinden lassen - allerdings zunächst nur im Bereich der Mikrowellen. Ein hauchdünnes Kupfernetz sorgte für den Effekt.

Tarnmantel 26.03.2013

"Im Prinzip kann diese Technik auch für Licht angewendet werden", erläuterte Andrea Alu von der Universität von Texas in einer Mitteilung. Mikrowellen und Licht sind unterschiedliche Bereiche des elektromagnetischen Spektrums und unterscheiden sich lediglich durch die Wellenlänge. Ein Objekt im sichtbaren Licht verschwinden zu lassen, bleibe aber eine große Herausforderung.

Wie die Forscher um Alu im Fachblatt "New Journal of Physics" schreiben, basiert ihre Arbeit auf einem neuen Ansatz: Statt sogenannte Metamaterialien einzusetzen, die das Licht um ein Objekt herumlenken sollen, löschten die Forscher mit einem feinmaschigen Kupfergitter die vom Zylinder reflektierte Strahlung aus.

Das Prinzip basiert auf der Überlagerung der vom Tarnmantel und dem Zylinder ausgehenden Mikrowellen. "Wenn sich die Wellen überlagern entsteht der Eindruck von Transparenz und Unsichtbarkeit aus allen Blickwinkeln", so Alu.

Licht: Nur Mini-Objekte möglich

Die Forscher demonstrierten die Funktion ihres Tarnmantels mit einem 18 Zentimeter großen Zylinder. Sie gehen aber davon aus, dass sich auf dieselbe Weise auch unsymmetrische oder unregelmäßig geformte Objekte verstecken lassen. Der von ihnen konstruierte Tarnmantel besteht aus einem nur 66 Tausendstel Millimeter dünnen Kupfernetz auf einer 0,1 Millimeter dünnen Kunststofffolie und lässt sich im Prinzip um jede Form legen.

In Zukunft will das Team die Technik auch im sichtbaren Licht testen. "Tatsächlich sind solche 'Metaschirme' für sichtbare Frequenzen leichter zu realisieren als voluminöse Metamaterialien, und dieses Konzept könnte uns einer praktischen Umsetzung näherbringen", sagte Alu. "Allerdings schrumpft die Größe der Objekte, die mit dieser Methode effektiv versteckt werden können, mit den Wellenlängen, sodass wir bei optischen Frequenzen vielleicht die Streuung von mikrometergroßen Objekten effektiv stoppen können."

Ein Mikrometer ist ein tausendstel Millimeter. Die Technik könnte sich den Physikern zufolge jedoch auch für andere Anwendungen wie Nanoschalter oder nichtinvasive Sensoren nutzen lassen, wovon Biomedizin und Optik profitieren könnten.

science.ORF.at/dpa

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