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Marienkäfer auf einer Blüte

Neue Käfer erhielten Namen aus Telefonbuch

Mit einem DNA-Schnelltest haben deutsche Wissenschaftler 101 neue Rüsselkäfer aus dem Regenwald in Papua-Neuguinea bestimmt. Bei der Namensgebung griff man auf eine ungewöhnliche Methode zurück: Die Käfer erhielten Namen aus dem Telefonbuch.

Biologie 27.03.2013

Aber auch die Methode mit der die Käfer bestimmt wurden, ist nicht die gängige. "Zusätzlich zu den DNA-Schnelltests haben wir hochauflösende Aufnahmen von jedem Käfer gemacht und diese zusammen mit kurzen Beschreibungen auf einer Wiki-Seite hinterlegt", erläuterte Insektenforscher Alexander Riedel vom Naturkundemuseum Karlsruhe. Diese Methode sei ungefähr fünfmal schneller als das traditionelle Vorgehen bei der Bestimmung neuer Arten.

"Es ist nicht etwas vollends Neues", erklärte Studienautor Riedel am Mittwoch. Dennoch: Bisher werden Tiere vor allem anhand ihrer äußeren Merkmale bestimmt. "Bei der Vielzahl verschiedener Rüsselkäferarten ist das wie ein Memory-Spiel mit Tausenden von Karten unter einem Mikroskop. Irgendwann verliert man den Überblick", sagte Riedel. Die DNA-Analyse biete eine schnelle und gute Einordnung. Detailreiche Fotos könnten aufwendige morphologische Beschreibungen zum Teil ersetzen.

Riedel hofft darauf, dass sich diese Art der Bestimmung durchsetzt. "Bisher gibt es keine Qualitätsstandards. Die DNA-Analyse könnte die Grundlage dafür liefern." Dies sei vor allem bei Insekten sinnvoll, die sich äußerlich sehr ähnlich seien, genetisch aber hohe Unterschiede aufweisen. Bei geschätzten 100.000 Rüsselkäferarten weltweit sei eine Beschreibung auf herkömmlichem Wege in einem überschaubaren Zeitraum gar nicht zu leisten.

Neue Arten schon wieder vom Aussterben bedroht

Aber Eile ist nach Einschätzung von Riedel und seines Kollegen Michael Balke (Zoologische Staatssammlung München) geboten, denn viele dieser neuen Käferarten sind vom Aussterben bedroht. Der Regenwald werde in atemberaubendem Tempo abgeholzt und durch Ölpalmen-Monokulturen ersetzt. "Die Situation ist sehr traurig, aber sie ist noch trauriger, wenn die Käfer verschwinden, bevor sie jemand beschrieben hat", sagte Riedel. Die Experten sehen ihre Forschung auch als Argument für den Erhalt dieses einmaligen Lebensraumes. Sie vermuten dort noch zahlreiche, bislang unbekannte Insektenarten.

Auch bei der Namensgebung beschritten die Wissenschaftler einen ungewöhnlichen Weg. Um zum Land passende Bezeichnungen zu finden, griffen sie zum Telefonbuch. "Viele der neuen Arten wurden nach Familien aus den Gelben Seiten Papuas benannt", berichtete Riedel. Er nannte als Beispiel den Trigonopterus moreaorum, eine Bezeichnung, die auf dem Familiennamen "Morea" beruht.

science.ORF.at/dpa

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