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Große rote Tablette auf kleinen weißen Tabletten

Suchmaschine für Medikamentenwirkstoffe

Aspirin und Rheumamedikamente könnten sich im Körper gegenseitig beeinflussen. Derartige Wechselwirkungen sind von einigen Medikamenten bekannt - doch viel von diesem Wissen schwirrt ungeordnet im Internet umher. Pharmafirmen und Forscher wollen diesen Wissensschatz jetzt mit einer neuen Onlinesuchmaschine besser nutzen.

Open Innovation 29.03.2013

Wirkstoffinformationen auf einen Klick soll die neue Suchmaschine "OpenPHACTS" bieten. Forscherinnen und Forscher können einfach und in Sekundenschnelle alle relevanten Daten zu biologischen Eigenschaften, Wirkungen und Nebenwirkungen zu Medikamentenwirkstoffen abrufen.

Doch wer jetzt an eine Website à la Google denkt, der irrt. Denn "OpenPHACTS" richtet sich primär an die Fachwelt. X-beliebige Wortfolgen eingeben und einfach auf "Suchen" klicken, wie bei Google, könne man nicht, sagt der Pharmakoinformatiker Gerhard Ecker von der Uni Wien, Projektleiter von "OpenPHACTS".

"Wir geben bestimmte Suchmöglichkeiten vor. Man kann die Suchmaschine zum Beispiel fragen: Gib mir sämtliche Wirkungen, die für einen Stoff bekannt sind. Ich kann aber auch andersrum fragen: Gib mir alle Verbindungen, die als Schmerzmittel bekannt sind."

Ö1 Sendungshinweis

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 28.3., 13:55 Uhr.

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Ö1 Jahresschwerpunkt 2013: Open Innovation

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Wirkstoffinfos v. a. für Fachleute

Prinzipiell kann sich jeder auf der Website von "OpenPHACTS" kostenlos registrieren. Die Suchmaschine richtet sich aber primär an die Fachwelt. Denn die gebotenen Informationen seien am ehesten für jene interpretierbar, die sich in der Pharmabranche auskennen, sagt Ecker.

Für die Fachcommunity könne die Suchmaschine dafür ein wirklich praktisches Tool sein. Denn im Internet kursiert ein regelrechter Datenwust zu den verschiedensten Wirkstoffen frei herum.

"Die Infos im Internet sind oft auf völlig unterschiedliche Weise abgespeichert. Die einen nennen einen Leberschaden auch wirklich Leberschaden, eine andere Onlinedatenbank sagt dazu Leber-Tox oder Cholestase. Dabei ist der Effekt immer der gleiche: Der beschriebene Wirkstoff schädigt die Leber", erklärt Pharmakoinformatiker Gerhard Ecker.

Relevante Daten auf einen Blick

Alle Medikamentenhersteller stehen somit vor einer Frage: Wie können wir die Tausenden Onlinedaten finden, nutzen und damit unser eigenes Wissen anreichern? Und genau dieses Problem soll die Wirkstoff-Suchmaschine "OpenPHACTS" lösen.

"Die Suchmaschine verknüpft diese Datenmengen, erkennt gleiche Bedeutungen und unterschiedliche Datenformate und bündelt die Infos gesammelt und übersichtlich auf einer Website", so Ecker. So soll das Wirkstoffdatenmeer im Internet zu einem nützlichen Tool für Medikamentenforscher werden.

"Es würde viel zu lange dauern, diese Datensuche manuell zu machen. Wenn Sie Monate brauchen, um eine Fragestellung zu beantworten, werden Sie sich überlegen, ob Sie dafür zwei Leute in Ihrem Unternehmen für diese Zeit nur für die Internetrecherche abstellen."

Datenmenge noch überschaubar

Derzeit unterstützt "OpenPHACTS" zehn frei im Internet zugängliche Wirkstoffdatenbanken. "Dabei achten wir auch darauf, dass diese Quellen seriös sind. Der Anwender weiß zudem bei jeder Suche, von welcher Datenbank die Infos stammen."

Mit zehn unterstützen Datenbanken erscheint die gebotene Datenmenge noch als relativ überschaubar. Doch das Projekt ist ein Work in Progress: "Wir arbeiten daran, den Datensatz ständig zu erweitern", sagt Gerhard Ecker. Forscherinnen und Forscher erhoffen sich, mit der Suchmaschine "OpenPHACTS" künftig noch schneller Wirkstoffe zu finden und Nebenwirkungen besser vorherzusagen.

Florian Petautschnig, Ö1 Wissenschaft

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