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Ein Feldhase duckt sich am 21.03.2013 im Schnee auf einem Feld

Auch in Zukunft kalte Winter

Warum will dieser Winter nicht enden, obwohl wir doch mitten in einer Klimaerwärmung stecken? Das hängt mit den schrumpfenden Eismassen in der Arktis zusammen. Veränderte Druckverteilungen führen zu stabileren Hochdruckgebieten über Skandinavien. Und die versorgen Mitteleuropa - so wie jetzt - mit eiskalter Polarluft.

Klima 29.03.2013

"Das ist eine Laune der Natur in diesem Jahr", sagt Peter Lemke, Leiter des Fachbereichs Klimawissenschaften am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven. "Wenn das Packeis in der Arktis immer weiter zurückgeht, werden diese Launen statistisch gesehen durchaus häufiger auftreten." Die Chance steige, dass es auch künftig kalte Winter gebe.

Das Eis in der Arktis war im September 2012 nach Angaben des US-Datenzentrums für Eis und Schnee (NSIDC) so klein wie nie zuvor in den 33 Jahren der Beobachtung.

Kalte Blase über Westeuropa

Verantwortlich für den Rückgang des Eises ist Studien zufolge die globale Erderwärmung, verursacht durch den CO2-Ausstoß. "Wir müssen mit unseren CO2-Emissionen vorsichtig sein. Das wird unser Klimasystem verändern", sagt Lemke. In welcher Form und wo die Veränderungen besonders stark sein werden, sei immer noch eine große Frage.

"Wir sehen aber, dass in der Arktis zurzeit die größten Veränderungen auftreten, die weißen Flächen verschwinden, und dunkle Flächen kommen zum Vorschein." Diese absorbieren die Sonnenenergie, Schnee und Eis hingegen reflektieren sie.

"Wir sind die Leidtragenden, dass das Eis in der Arktis weggeht", meint der Wissenschaftler. Denn die globale Temperaturkarte von Februar zeige, dass es nur in Europa kalt war. "Die kalte Blase umfasst praktisch Westeuropa." So sei es in Sibirien nicht so kalt gewesen wie sonst, ebenso nicht in Kanada.

Dieses Hoch werde sich sicherlich in Kürze auflösen, sagt Lemke. "Ich glaube nicht, dass es noch den April durchhält. Das wäre sehr ungewöhnlich. Der Frühling wird schon kommen."

Ungewöhnlicher Temperaturverlauf in Österreich

Dass der Temperaturverlauf im März 2013 in Österreich sehr merkwürdig war, berichtete heute die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG): Er war das exakte Gegenteil der langjährigen Mittelwerte. "Zu Beginn des Monats waren die Temperaturen so, wie man sie Ende März erwarten würde", so Alexander Orlik von der ZAMG.

"Ab der Monatsmitte kühlte es auf Werte ab, die normalerweise Anfang März auftreten. Unterm Strich bleibt in der vorläufigen Monatsbilanz ein März, der im Vergleich zum klimatologischen Mittel um 1,7 Grad Celsius zu kalt war und damit einer der kältesten der letzten 18 Jahre ist." Im Vergleich zur gesamten Messreihe seit 1767 liegen die März-Temperaturen österreichweit gesehen dennoch im Mittelfeld.

Aber: In einigen Regionen Österreichs war es außergewöhnlich kalt. In Retz (NÖ) war es mit einer Monatsmitteltemperatur von nur 1,2 Grad Celsius seit 1896 in einem März nur 16-mal kälter als heuer. Der Osten und der Süden Österreichs erlebten in diesem März ungewöhnlich spät sogenannte Eistage, mit ganztägig Temperaturen unter null Grad. Das kommt statistisch gesehen alle 50 bis 60 Jahre vor.

science.ORF.at/dpa

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