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Künstlerische Darstellung des HI-Virus.

HIV: Selbsttest als Alternative

HIV-Tests für den Hausgebrauch könnten laut einer Metastudie die üblichen Laboruntersuchungen ergänzen. Sinnvoll dürfte das allerdings nur in Ländern mit unzurreichendem Gesundheitssystem zu sein.

Medizin 03.04.2013

Studienleiterin Nitika Pant Pai von der McGill University im kanadischen Montreal ist überzeugt: HIV-Selbsttests können dabei helfen, dass man nicht mehr diskriminiert wird, wenn man sich testen lässt. So könnten mehr Menschen ihren HIV-Status erfahren, was die Verbreitung der Immunschwäche-Viren einschränken könne.

Von den analysierten Studien hatten sich 14 mit insgesamt 4.890 Versuchsteilnehmern HIV-Selbsttests gewidmet, die von Gesundheitsexperten betreut wurden. Sieben weitere Studien mit insgesamt 7.512 Menschen bezogen sich auf HIV-Heimtests, bei denen es keine Supervision gab, aber via Telefon oder Internet ein Berater kontaktiert werden konnte. Solche Meta-Analysen können wegen der größeren Fallzahl aussagekräftig sein, sie sind aber immer von der Auswahl der dabei verwendeten Studien abhängig.

Akzeptanz hoch

Die Metastudie

"Supervised and Unsupervised Self-Testing for HIV in High- and Low-Risk Populations: A Systematic Review", Plos medicine (2.4.2013; doi: 10.1371/journal.pmed.1001414).

Die HIV-Tests seien sehr gut akzeptiert worden, schreibt Nitika Pant Pai: Von den Menschen, die angaben, dass sie sich selbst testen möchten, haben es in den Studien dann auch 74 bis 96 Prozent getan. Mindestens 80 Prozent der Versuchsteilnehmer befürworteten auch für ihren Partner einen HIV-Heimtest. Die Versuchsteilnehmer bevorzugten jene Tests, bei denen man nur etwas Speichel braucht. Bei anderen Tests muss man eine Fingerkuppe anstechen und so einen Tropfen Blut gewinnen. Bei beiden Varianten erfährt man nach wenigen Minuten ein Testergebnis.

Die Selbsttests seien recht präzise, schreiben die HIV-Forscher weiter. Von den Menschen, die nicht mit dem Immunschwäche-Virus infiziert waren, bekam höchstens jeder 500. fälschlicherweise ein positives Testergebnis ("falsch positiv"). Aber: Bei den tatsächlich HIV-Infizierten seien die Selbsttests weniger treffsicher gewesen, vor allem jene ohne Supervision. Außerdem blieb meistens unklar, wie gut bei den Heimtests ohne Betreuung Experten-Hotlines genutzt wurden. Deswegen appellieren die Forscher, noch mehr Daten zu erheben.

"Nicht im Internet bestellen"

"Ein solcher Appell steht häufig am Ende einer Fachpublikation, doch ist er in diesem Kontext wirklich angebracht und sinnvoll, weil die Datenmenge und die Qualität der Studien limitiert waren", sagte Holger Rabenau vom deutschen Nationalen Referenzzentrum für Retroviren in Frankfurt, das sich unter anderem mit HIV-Diagnostik beschäftigt. So heißt es in der Übersichtsstudie zwar, dass kein Selbstmord nach einem Selbsttest dokumentiert worden sei. "Aber vielleicht gibt es solche Fälle ja doch - nur bekommt man davon nichts mit, weil niemand weiß, dass da jemand vor seinem Suizid solch einen Test gemacht hat."

Skeptisch ist der deutsche Experte bezüglich der Frage, ob Selbsttests tatsächlich bewirken, dass mehr Menschen ihren HIV-Status erfahren. Er warnte auch davor, HIV-Tests übers Internet zu bestellen oder in einer ausländischen Apotheke zu kaufen: "Bei solchen Tests ist die Qualität und damit die Sicherheit möglicherweise nicht so zuverlässig."

In westlichen Industrienationen wie Deutschland und Österreich seien HIV-Selbsttests auch nicht sinnvoll, betonte Rabenau. Denn das Gesundheitssystem sei gut ausgebaut: In Österreich sind anonyme und kostenlose HIV-Test etwa bei der AIDS-Hilfe möglich.

science.ORF.at/dpa

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