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ein Ring dunkler Materie

Mögliche Hinweise zu Dunkler Materie

Ein Detektor auf der Internationalen Raumstation (ISS) liefert neue Hinweise bei der Suche nach mysteriöser Dunkler Materie. Die Forscher um den Physik-Nobelpreisträger Samuel Ting haben einen Überschuss sogenannter Positronen im Weltall gemessen, die aus allen Richtungen auf die Erde einprasseln.

Astrophysik 04.04.2013

Das berichtete das europäische Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf am Mittwoch. Positronen sind die positiv geladenen Antiteilchen der Elektronen. Sie könnten nach Ansicht vieler Physiker entstehen, wenn sich zwei Teilchen der Dunklen Materie im Weltall begegnen.

Die Studie in den "Physical Review Letters"

"First Result from the Alpha Magnetic Spectrometer on the International Space Station: Precision Measurement of the Positron Fraction in Primary Cosmic Rays of 0.5–350 GeV" von M. Aguilar et al., erschienen am 3. April 2013.

Kommentar zu den Ergebnissen

"Viewpoint: Positrons Galore" von Stephane Coutu.

Die Dunkle Materie gilt als eines der größten Rätsel der modernen Physik. Forscher grübeln seit 80 Jahren darüber. Der mysteriöse Stoff soll erklären, weshalb Galaxien in großen Gruppen durch den Kosmos fliegen, obwohl die Sterne darin zu wenig Schwerkraft aufbringen, um diese riesigen Gebilde zusammenzuhalten. Ohne Dunkle Materie bleibt auch rätselhaft, weshalb sich die spiralförmigen Arme unserer Galaxie viel schneller drehen, als sich mit der Schwereanziehung der sichtbaren Materie erklären lässt.

Die Dunkle Materie soll fünfmal häufiger im Weltall vorkommen als jene Materie, aus der Menschen, Planeten und Sterne aufgebaut sind. Das geht aus Beobachtungen des frühen Universums hervor, die das Team des ESA-Satelliten "Planck" erst Mitte März präsentiert hatte. Bisher wissen Forscher nicht, woraus die Dunkle Materie besteht. Die populärste Theorie geht von bisher unbekannten Elementarteilchen aus, die nicht mit Licht wechselwirken und daher für das menschliche Auge unsichtbar sind.

Ö1-Sendungshinweis

Über die neuen Messergebnisse berichtete auch "Wissen Aktuell" am 4.4.2013.

Messungen bestätigt

Aufgefangen hat die Positronen das 1,5 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro) teure "Alpha Magnetic Spectrometer" (AMS-02), das am 16. Mai 2011 zur ISS geschossen wurde. Der 8,5 Tonnen schwere Detektor bestätigte damit weniger genaue Messungen des Weltraumteleskops "Fermi" und des Satelliten "Pamela".

Ob die Positronen, die zur Antimaterie zählen, wirklich ein Hinweis auf die vorhergesagte Dunkle Materie sind, wissen die Forscher noch nicht. Auch bekannte astronomische Objekte wie Pulsare können Positronen ins Weltall feuern. Die Arbeit liefert dem CERN zufolge jedoch Hinweise darauf, dass die Positronen aus allen Richtungen auf die Erde treffen. Das wäre auch von Teilchen der Dunklen Materie zu erwarten, da diese gleichmäßig um unsere Galaxie verteilt sein müssten. "In den nächsten Monaten wird uns AMS endgültig sagen können, ob diese Positronen ein Signal der Dunklen Materie sind", sagte Ting.

science.ORF.at/APA/dpa

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