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Künstlerische Rekonstruktion des Dinos im Ei

Dino-Embryonen strampelten in ihren Eiern

Forscher haben die ältesten bisher bekannten versteinerten Dinosaurier-Embryonen entdeckt. Sie stammen aus China, sind zwischen 190 und 197 Millionen Jahre alt und zeigen, wie die Tiere im Inneren von Eiern heranwuchsen.

Paläontologie 10.04.2013

Es fanden sich sogar winzigen Überreste von Eierschalen, berichtet ein Team um Robert Reisz von der University of Toronto Mississauga (Mississauga/Kanada) in einer Studie.

Während ihrer Embryonalentwicklung hätten die Dinosaurier vermutlich in ihren Eiern herumgestrampelt. Durch die Bewegungen ihrer Muskeln stärkten sie ihre Knochen für das Leben nach dem Schlüpfen - genau wie heutige Vogelembryonen das auch machen.

Die Studie:

"Embryology of Early Jurassic dinosaur from China with evidence of preserved organic remains" von Robert Reisz und Kollegen ist am 10.4. in "Nature" erschienen.

Seltene Funde

"Das ist das erste Mal, dass wir in der Lage sind, das Wachstum embryonaler Dinosaurier während ihrer Entwicklung nachzuvollziehen. Unsere Ergebnisse werden das Verständnis von der Biologie dieser Tiere nachhaltig beeinflussen", meinte Reisz.

Fossile Dinosaurier-Embryonen sind sehr selten. Fast alle bisher gefunden Knochen stammen aus der Kreidezeit und sind damit viel jünger als die nun entdeckten Fossilien. Sie werden dem frühen Jura zugeordnet.

Insgesamt untersuchten die Forscher um Reisz rund 200 Knochen. Sie gehörten zu 20 Embryonen. Gefunden wurden sie in einem Knochenbett in der heutigen Provinz Yunnan im Südwesten Chinas. Dort lagen allerdings keine kompletten Skelette, sondern einzelne Knochen, die nicht mehr in Eiern steckten. Winzige Überreste von Eischalen fanden die Forscher aber auch; es sind die bisher ältesten überhaupt.

Künstlerische Darstellung: Rekonstruktion des Dinos im Ei

D. Mazierski

Künstlerische Darstellung: Rekonstruktion des Dinos im Ei

Unterschiedliche Entwicklungsphasen

"Das Faszinierendste an unserer Arbeit ist vielleicht die Tatsache, dass diese Embryonen überhaupt erhalten geblieben sind", sagte Mitautor Koen Stein von der Universität Bonn. "Solche Strukturen sind sehr zerbrechlich, man denke nur an ein neugeborenes Küken. Dass wir diese untersuchen können, fast 200 Millionen Jahre nachdem sie verschüttet wurden, ist ein echtes Privileg."

Da sich die Dinoknochen in unterschiedlichen embryonalen Entwicklungsphasen befanden, stammen sie aus unterschiedlichen Nestern, berichten die Wissenschaftler. Sie vermuten, dass die Knochen zu Dinosauriern aus der Gruppe der Sauropodomorpha gehören. Das sind die Dinos mit einem kleinen Kopf auf einem langen Hals. Vermutlich waren es Dinosaurier aus der Gattung Lufengosaurus, die zu dieser Zeit in der Fundregion weit verbreitet war.

Kurze Brutzeit, schnelles Wachstum?

Reisz und seine Mitarbeiter untersuchten die Fossilien sehr genau, unter anderem die Oberschenkelknochen. Sie waren zwischen zwölf und 22 Millimeter lang. Die innere Struktur der Knochen in den unterschiedlichen Entwicklungsstadien spräche dafür, dass die Dinosaurier im Ei sehr schnell gewachsen sind, schreiben die Wissenschaftler.

Möglicherweise bedeute dies auch, dass die Sauropodomorpha im Vergleich zu anderen Tieren ihrer Zeit eine eher kurze Brutzeit hatten. Die Fähigkeit zum schnellen Wachstum blieb nach dem Schlüpfen offenbar erhalten. Das erkläre, warum die Tiere manchmal gigantisch groß wurden.

Die innere Struktur des Oberschenkelknochens und die Ausprägung bestimmter Knochenvorsprünge deuteten darauf hin, dass die Dinosaurierembryonen ihre Muskeln bereits im Ei benutzten, berichten die Wissenschaftler weiter. So bereiteten sie ihr Skelett auf das Laufen nach dem Schlüpfen vor. Im Inneren der Knochen fanden die Forscher sogar noch Spuren organischen Materials. Möglicherweise handle es sich dabei um Kollagen, ein Protein, das typischerweise in Knochen vorhanden ist.

science.ORF.at/dpa/APA

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