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Porträtfoto des FWF-Präsidenten Christoph Kratky

FWF: Nachfrage wächst, Budget stagniert

2012 hat der Wissenschaftsfonds FWF 196,4 Mio. Euro für 684 Projekte bewilligt - so viel wie nie zuvor für die Grundlagenforschung. Gleichzeitig stieg aber auch die Nachfrage, konkret um 4,7 Prozent auf 676,7 Mio. Euro, wodurch sich der Wettbewerb deutlich verschärfte.

Jahresbilanz 16.04.2013

Nur mehr 24,2 Prozent der beantragten Gelder bzw. 30,2 Prozent der beantragten Projekte konnten bewilligt werden - ein historischer Tiefstwert. Um die Genehmigungsquote bei Einzelprojekten halbwegs konstant zu halten, müsse man bei Schwerpunktprogrammen "drastisch reduzieren", erklärte FWF-Präsident Christoph Kratky am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz in Wien.

Der Grund dafür ist neben dem stagnierenden Budget die "immense Inflation bei den Forschungsaufwendungen", so Kratky, Forschung werde u.a. durch die Professionalisierung immer teurer.

Overheadkosten

Gesamt-Bewilligungssumme des Wissenschaftsfonds FWF 2000 bis 2013

APA

Gesamt-Bewilligungssumme des Wissenschaftsfonds FWF 2000 bis 2013

Grundsätzlich gibt es seitens des Wissenschaftsministeriums ein zwischen 2009 und 2013 eingefrorenes Budget für den FWF in Höhe von jährlich 151,9 Mio. Euro. Die Zuwendungen des Ressorts sind 2012 mit 159 Mio. Euro gegenüber dem Jahr davor dennoch um knapp sechs Mio. Euro gestiegen, was primär auf die 2011 eingeführte Zahlung sogenannter Overheadkosten zur Abgeltung von Nebenkosten durch FWF-Projekte an die Unis zurückgeht. Allerdings werden diese Overheads nur für etwa die Hälfte des FWF-Förderportfolios bezahlt.

Für 2014/15 hat der FWF bereits Budgetbriefe bekommen, die eine "kleine Steigerung unter der Inflation der vergangenen Jahre vorsehen". Als "Stütze" erweise sich die Nationalstiftung für Forschung, so FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn, deren Zuwendungen 2013 auf 20,2 Mio. Euro steigen (2012: 13 Mio. Euro). Damit rechnet man beim FWF für das laufende Jahr mit einer Gesamtbewilligungssumme von 198 Mio. Euro.

"Raubt einem nicht die Luft"

Alles in allem für Kratky "keine Entwicklung, die einem die Luft raubt, weder in positiver noch in negativer Hinsicht". Der FWF-Chef mahnt in diesem Zusammenhang die Umsetzung der Forschungsstrategie der Bundesregierung ein, die u.a. die flächendeckende Bezahlung von Overheads, die Erhöhung des kompetitiven Anteils der Universitätsfinanzierung und ein stärkeres Wachstum der Mittel für Grundlagenforschung im Vergleich zu jenen für angewandte Forschung vorsehe.

Und noch ein Problem ortet Kratky: Weniger als die Hälfte der rund 200 Mio. Euro für den FWF stünden im Bundesbudget, der andere Teil komme aus Rücklagen, Sondermitteln etc. Das Wissenschaftsministerium müsse daher Jahr für Jahr "händeringend versuchen, mit den letzten Reserven unser Budget zusammenzukratzen".

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Bilanz des FWF berichtete auch "Wissen Aktuell am 16. April 2013 um 13.55 Uhr.

Die Amtszeit Kratkys endet Ende Juni. Der FWF-Aufsichtsrat wird morgen, Mittwoch, Hearings mit Bewerbern durchführen und am Donnerstag einen Dreiervorschlag veröffentlichen. Aus diesem wird dann am 6. Juni die aus Vertretern der Unis und Forschungseinrichtungen zusammengesetzte FWF-Delegiertenversammlung den neuen Präsidenten wählen.

science.ORF.at/APA

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