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Amy Winehouse auf der Bühne

Berühmt sein kann das Leben verkürzen

Ein hoher sozialer Status kann das Leben verlängern. Wie eine Auswertung von Nachrufen der "New York Times" ergeben hat, gilt das aber nicht für jede Art von Erfolg gleichermaßen. Sportler und darstellende Künstler sterben demnach früher als Akademiker oder Geschäftsleute.

Lebenserwartung 18.04.2013

Keine Garantie für langes Leben

Die Lebenserwartung hängt von vielen Faktoren ab, auf der einen Seite von physischen wie der genetischen Ausstattung, Umwelteinflüssen und der Ernährung, andererseits spielen aber auch Einkommen, Bildung und sozialer Status eine wesentliche Rolle. Wer erfolgreich und angesehen ist, lebt - zumindest im Durchschnitt - länger.

Die Studie in QJM: An International Journal of Medicine:

"Death in The New York Times: the price of fame is a faster flame" von C.R. Epstein und R.J. Epstein, erschienen am 18. April 2013:

Wenn es darum geht, die eigene Lebenserwartung möglichst zu steigern, ist es aber unter Umständen nicht egal, für welche Art der Karriere man sich entscheidet. Das jedenfalls legt eine aktuelle Untersuchung nahe. Anders gesagt: Nicht jeder Erfolg ist ein Garant für ein langes Leben.

Gedrucktes Leben nach dem Tod

Zu diesem Schluss kommen das Forscherpaar Catherine und Richard Epstein von der australischen University of South Wales nach der Analyse einer ungewöhnlichen Datenbasis, nämlich von Nachrufen der "New York Times" aus den Jahren 2009 bis 2011. Der Grund für diese Wahl: Die Quelle, die von manchen als spezielle Form des Lebens nach dem Tod bezeichnet wird, habe bestimmte demographische Besonderheiten.

Einerseits widmen sich die Gedenkzeilen in dem einflussreichen Blatt aus New York City ausschließlich berühmten, erfolgreichen und angesehenen Menschen. Außerdem enthalten sie in der Regel nähere Angaben zur Todesursache - eine Tradition, die zwar nicht von allen Journalisten gutgeheißen wird, für eine statistische Auswertung aber sehr nützlich ist.

Mehr Krebstote

Knapp 1.000 Datensätze mit Angaben zu Alter, Geschlecht, Beruf und Todesursache haben die Forscher aus den Nachrufen generiert. Danach teilten sie die Daten nach Berufsgruppen in vier Kategorien: Sportler und darstellende Künstler wie Schauspieler, Sänger oder Tänzer; kreative Arbeiter wie Schriftsteller, Komponisten und Maler; erfolgreiche Geschäftsmänner, Politiker und Militärs; Akademiker und religiöse Würdenträger.

Insgesamt enthielt die Stichprobe deutlich mehr Männer als Frauen (813 vs. 183). Ihre Lebenserwartung wich nur geringfügig von der durchschnittlichen ab. Männliche US-Bürger erreichen im Durchschnitt 76 Jahre, weibliche 81. In der Stichprobe wurden die Männer etwas älter, nämlich 80,4; die Frauen etwas jünger: 78,8. Was vermutlich durch den relativ kleinen Anteil an Frauen, welche außerdem vor allem aus der Kategorie der Künstler und Sportler stammten, zu erklären ist. Bekannte Personen aus dieser Berufsgruppe sterben laut der Auswertung nämlich am jüngsten. Das höchste durchschnittliche Lebensalter erreichte die Gruppe der Politiker und Geschäftsleute, gefolgt von den Akademikern.

Bei der Analyse der Todesfälle zeigte sich, dass die frühen Todesfälle meist auf Unfälle, Infektionen (inklusive HIV) und bestimmte Krebsarten zurückzuführen sind. Generell fanden sich die meisten Krebstoten bei den darstellenden Künstlern und anderen Kreativberuflern. Besonders deutlich ist dieser Zusammenhang den Forschern zufolge bei Lungenkrebs, der bekanntlich häufig durch Rauchen verursacht wird. Bei den darstellenden Künstlern starben 7,2 Prozent daran, bei den Akademikern nur 1,4. Krebstod und Tod durch kardiovaskuläre Erkrankungen seien generell bei den NYT-Toten häufiger als im Landesdurchschnitt.

Riskante Berühmtheit

Natürlich habe diese statistische Erhebung ihre Grenzen, wie die Forscher einräumen. Viele entscheidende Variable, vom sozialen Hintergrund bis zum Drogenmissbrauch sind nicht einmal erfasst worden. Dennoch werfe das relativ junge Sterbealter von Sportlern oder darstellenden Künstlern in der "New York Times" einige Fragen auf: Könnte es sein, dass Menschen die früh bzw. schnell berühmt werden, später - nach dem Ende der Karriere - die Gesundheit vernachlässigen? Oder das der hohe Druck zu selbstzerstörerischen Tendenzen führt?

Andersrum könnte es aber genauso gut der Fall sein, dass besonders risikofreudige Menschen in diesen Bereichen erfolgreich sind. Nach dem Motto "Live fast, die young" sind sie bereit, alles für den schnellen Erfolg zu tun und greifen auch eher zu Alkohol oder illegalen Substanzen. Egal, was dahinter steckt, jede Möglichkeit sollte laut den Forschern eine Gesundheitswarnung für junge Menschen sein, die um jeden Preis Stars werden wollen - ein entsprechender moralischer Hinweis findet sich auch im Studientitel: "The price of fame is a faster flame".

Eva Obermüller, science.ORF.at

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