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Weltaumschrott, der um die Erde kreist

"Friedhofsbahn" als Deponie für Weltraummüll?

Seit Beginn der Raumfahrt 1957 mit dem Satelliten "Sputnik" haben die Menschen das All in einen Schrottplatz verwandelt. Mittlerweile stellen die die Erde umkreisenden Müllfragmente eine Gefahr für Satelliten dar - und damit letztendlich auch für die Kommunikationsnetze auf der Erde.

Schrott im Weltall 22.04.2013

Wie sich Kollisionen am besten vermeiden lassen, erörtern seit Montag 300 Experten bei einer internationalen Konferenz im Kontrollzentrum der europäischen Weltraumorganisation ESA in Darmstadt.

Handschuhe und Satellitenteile

Konferenz:

Die Tagung in Darmstadt ist die sechste und gilt als größtes Treffen zum Thema Weltraummüll. Sie wird hier live im Internet übertragen.

Millionen Fragmente verschiedenster Größenordnung umkreisen die Erde. Denn jede Mission hinterlässt Müll im Universum, der nur nach und nach in der Erdatmosphäre verglüht. Die meisten Teile bleiben Jahrzehnte in ihrer Umlaufbahn und gefährden die Raumfahrt.

Nach Angaben der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA handelt es sich um ausgediente Satelliten, ausgebrannte Raketenoberstufen oder abgeplatzte Lack- und Trümmerstücke, die bei Explosionen von Oberstufen oder Satelliten entstanden sind. Viele davon haben eine Geschwindigkeit von mehreren 10.000 Kilometern pro Stunde.

Auch von Astronauten verlorene Handschuhe und Schraubenzieher rasen durchs Weltall. Die internationale Raumstation ISS zum Beispiel muss daher jährlich mehrere Ausweichmanöver starten.

Müll unter Beobachtung

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Weltraumschrottproblematik berichtete auch "Wissen Aktuell" am 21. April 2013 um 13.55 Uhr.

Um Raumflüge sicherer zu machen, werden nach ESA-Angaben rund 8.500 Trümmerstücke mit einer Größe von mehr als zehn Zentimetern mithilfe von Radaranlagen und Teleskopen beobachtet. Denn aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit können sie eine Raumsonde zerstören und Raumfahrer gefährden.

Bruchstücke von unter einem Zentimeter sind von der Erde aus nicht mehr nachweisbar, können aber dennoch gefährlich werden. Die US-Weltraumbehörde NASA schätzt ihre Zahl auf mehr als 100 Millionen.

Wenige Lösungsansätze

Lösungsansätze sind rar: "Ganz wichtig ist, dass erst einmal kein zusätzlicher Weltraummüll entsteht", sagte Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vor Beginn des Treffens. Darüber hinaus wird über Möglichkeiten nachgedacht, wie bereits ausgediente Himmelskörper eingefangen werden könnten. Sie könnten dann weit weg in eine Art "Friedhofsbahn" gebracht, damit sie für Satelliten nicht mehr gefährlich sind. Ergebnisse der Konferenz sollen am Donnerstag vorgestellt werden.

science.ORF.at/APA/dpa

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