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Mund eines Mädchens

Hauchige Stimmen bevorzugt

Nicht nur Tieren verschafft die Stimme Erfolg beim anderen Geschlecht. Auch beim Menschen dürfte es einer Studie zufolge einen Zusammenhang zwischen Tonlage, Statur und Attraktivität geben. Eines ist Männern und Frauen dabei gemein: Hauchige Stimmen werden bevorzugt.

Verhaltensforschung 25.04.2013

Körperlich attraktive Frauen und Männer haben mehr Erfolg in der Liebe, im Beruf und auch in der Politik. Das haben zahlreiche Studien gezeigt. Auch die Stimme, als sekundäres Geschlechtsmerkmal, kann diese Attraktivität beeinflussen. Dabei bevorzugen Frauen bei Männern eher tiefere Stimmen, während sich Männer mehrheitlich zu höheren Stimmlagen bei Frauen hingezogen fühlen.

Das dürfte damit zusammenhängen, dass die Tonhöhe mit der Statur und der Absicht des Sprechenden zusammenhängt. Zumindest im Tierreich, etwa bei Koalas oder Vögeln, konnte dieser Zusammenhang bereits gezeigt werden. Tiefe Stimmen signalisieren eine große Körpergröße, Dominanz und Angriffsbereitschaft. Hohe Stimmen signalisieren dagegen einen kleineren Körper, Unterwürfigkeit und Angst.

Tiefe Stimmen als evolutionärer Vorteil

Der Hauptautor der Studie, Yi Xu und seine Kollegen vom University College London haben dementsprechend die These aufgestellt, dass sich bei Männern im Lauf der Evolution längere Stimmlippen entwickelt haben, die ihre Stimmen tiefer machen, als die von Frauen. Denn im Kampf um die Aufmerksamkeit etwaiger Partnerinnen, hätten sich die tiefer sprechenden Männer durchgesetzt. Einen ähnlichen Zusammenhang vermuten die Forscher in Bezug auf die unterschiedlichen Körpergrößen von Männern und Frauen. Die Stimmlage signalisiert dem Gegenüber mit welcher körperlichen Dimension er oder sie es zu tun hat, bzw. kann die Wahrnehmung der tatsächlichen Größe beeinflussen.

Die Studie:

Human Vocal Attractiveness as Signaled by Body Size Projection von Yi Xu, Peter Birkholz et al. ist am 24. April in PLOS ONE erschienen.

Wie attraktiv eine Stimme wahrgenommen wird, hat also damit zu tun, welche Körpergröße mit der Stimmlage signalisiert wird. Soweit zumindest die Hypothese der Forscher. Um diese Annahme zu überprüfen, führten die Wissenschaftler fünf Wahrnehmungsexperimente durch, mit menschlichen wie computergenerierten Stimmen. Die männlichen und weiblichen Zuhörer mussten die Stimmen auf einer Attraktivitätsskala mit Noten von eins bis fünf bewerten.

Hohe Stimmlage entspricht einem kleinen Körper

Die Tonlage, Qualität und die Formanten der Stimmen wurden dabei systematisch geändert. Die Formanten sind diejenigen Frequenzbereiche, die in einer menschlichen Stimme am dominantesten sind, sie bestimmen das Timbre. Die Sätze, die die Versuchsteilnehmer vom jeweils anderen Geschlecht vorgelesen bekamen, wurden normal, hauchig und gepresst aufgenommen. Tonlage und Frequenz wurden graduell digital angepasst - davon ausgehend, dass eine hohe Stimmlage einen kleinen Körper und Fröhlichkeit signalisiert und eine tiefe Stimme auf einen großen Körper und Wut hindeutet.

Die Ergebnisse der Untersuchung waren wenig überraschend: Die männlichen Zuhörer bevorzugten hohe Tonlagen bei Frauen und hauchige Stimmen, die in einem breiten Frequenzbereich liegen und in der Wahrnehmung mit einer kleinen Körpergröße korrelieren. Die Frauen favorisierten dagegen tiefe Stimmen mit einem engen Frequenzbereich, die auf einen großen Körper schließen lassen. Doch überraschender Weise bevorzugte auch Frauen die gehauchtere Stimmen. Die Forscher um Yi Xu gehen davon aus, dass dieses Hauchen die Aggressivität und Angriffslust, die mit der großen Körpergröße einhergeht, entschärfen würde.

Instinkte beeinflussen Kommunikation

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass tierische Instinkte immer noch eine bestimmte Rolle in der menschlichen Kommunikation und im sozialen Miteinander haben. Zukünftige Studien könnten sich der Beurteilung von stimmlicher Attraktivität beim gleichen Geschlecht widmen oder der Frage nachgehen, ob verschiedene Muttersprachen oder Kulturen auch unterschiedliche Stimmvorlieben mit sich bringen.

Marlene Nowotny, science.ORF.at

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