Standort: science.ORF.at / Meldung: "Arktis könnte künftig wieder eisfrei sein"

der Elgygytgyn-See in Sibirien

Arktis könnte künftig wieder eisfrei sein

In der Arktis herrschten vor Millionen Jahren warme Temperaturen - und sie könnte auch künftig wieder eisfrei sein. Dies ergab die Untersuchung eines Bohrkerns aus einem sibirischen See. Demnach war die Arktis in der Zeit vor 2,2 bis 3,6 Millionen Jahren sehr warm - damals soll die Atmosphäre nicht viel mehr Kohlendioxid enthalten haben als heute.

Klima 10.05.2013

Die Studie in "Science":

"Pliocene Warmth, Polar Amplification, and Stepped Pleistocene Cooling Recorded in NE Arctic Russia" von J. Brigham-Grette et al., erschienen am 9. Mai 2013.

"Dies könnte uns Hinweise auf die Entwicklung in der nahen Zukunft geben", schrieb das internationale Forscherteam unter Leitung von Julie Brigham-Grette von der US-Universität von Massachusetts im Amherst. "In anderen Worten: Das System Erde reagiert auf geringe Veränderungen des CO2-Gehalts stärker als in früheren Klimamodellen vorhergesagt."

Außergewöhnliche Warmzeiten

Die Studie beruht auf der Analyse eines Bohrkerns aus dem Elgygytgyn-See, der 100 Kilometer nördlich des Polarkreises liegt und durch einen Meteoriteneinschlag vor 3,6 Millionen Jahren entstand. Bei der Untersuchung der Sedimente stießen die Forscher auf Belege, dass es früher ausgedehnte Warmzeiten mit viel Niederschlag in der Arktis gab - bei Sommertemperaturen um 15 bis 16 Grad Celsius, das sind acht Grad mehr als heute.

Diese außergewöhnlichen Warmzeiten nördlich des Polarkreises fielen den Forschern zufolge zeitlich mit einer 1,2 Millionen Jahre währenden Phase zusammen, in der das westantarktische Eisschild nicht existierte. Beide Erdpole könnten somit so etwas wie eine gemeinsame Geschichte haben.

Das Forscherteam, darunter Martin Melles von der Universität Köln und Pavel Minyuk vom NEISR-Institut im russischen Magadan, hatte bereits im Juli 2012 eine erste Studie über die Auswertung von Klimadaten veröffentlicht, die bei Bohrungen in dem russischen See gewonnen worden waren. Die damals gewonnenen Daten betrafen die Zeit von vor 2,8 Millionen Jahren bis zur Gegenwart. Die Forscher hatten bereits im vergangenen Jahr von auffälligen Übereinstimmungen der Warmzeiten in der Arktis mit großen Abschmelzereignissen in der Antarktis berichtet.

science.ORF.at/AFP

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