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Polizei vor dem Haupteingang der Universität Wien, antisemitisches Plakat "Juden Eintritt verboten"auf der Säule, aufgenommen 1931

Österreichische Unis in der NS-Zeit

In Lehrveranstaltungen an acht Universitäten haben sich Studierende im Wintersemester 2012/13 intensiv mit der Vergangenheit der eigenen Hochschule auseinandergesetzt. Das Ergebnis wird am kommenden Montag in einem Buch vorgestellt.

Buchprojekt 10.05.2013

Späte Auseinandersetzung

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Universitäten im Austrofaschismus und Nationalsozialismus ist an vielen Unis erst spät, an manchen bis heute nur in sehr geringem Ausmaß angekommen. "Gerade deshalb war es uns wichtig, ein Projekt ins Leben zu rufen, bei dem Studierende gemeinsam an der Aufarbeitung ihrer eigenen Universitätsgeschichte arbeiten", schreibt das Vorsitzteam der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) im Vorwort zu "Österreichische Hochschulen im 20. Jahrhundert. Austrofaschismus, Nationalsozialismus und die Folgen."

Buch:

Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (Hg.): "Österreichische Hochschulen im 20. Jahrhundert. Austrofaschismus, Nationalsozialismus und die Folgen", Facultas Verlag, 467 Seiten, 24,90 Euro; Buchpräsentation am 13. Mai, 19.00 Uhr, Festsaal der Technischen Universität Wien, 1040 Wien, Karlsplatz 13

Das ÖH-initiierte Forschungsprojekt "Hochschulen in der NS-Zeit" sollte die Auseinandersetzung von Studenten mit der Geschichte ihrer eigenen Universität fördern, die Aufarbeitung der Zeit des Austrofaschismus und des Nationalsozialismus sowie ihre Folgen untersuchen und dabei neue Zugänge und Fragestellungen entwickeln. Erstmals beschränkte man sich dabei nicht nur auf Universitäten mit historischem Fächerangebot: Auch an der Universität für Bodenkultur oder an der TU Wien wurden Seminare angeboten. Insgesamt nahmen acht Universitäten und rund 50 Studenten an dem Projekt teil, es wurden auch eigene Lehrveranstaltungen abgehalten.

Mosaikstein

Die etwa dreißig Themen des Buchs gliedern sich in vier große Bereiche. Unter dem Überthema "Studierende und Studierendenvertretung" beschäftigten sich die Projektteilnehmer etwa mit den Studierenden am Mozarteum Salzburg in den Jahren 1939 bis 1944 oder dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund an der Hochschule für Bodenkultur. Im Kapitel "Wissenschaft und Gesellschaft" wird dagegen zum Beispiel die Verankerung der NS-Ideologie in der steirischen Lehrerschaft beleuchtet.

Die Dissertationen der Technischen Hochschule oder der Universität für Bodenkultur stehen im Bereich "Forschung" im Fokus, wenn es etwa darum geht, inwieweit sich hier die herrschende Ideologie durchsetze. "Brüche und Kontinuitäten" untersuchten die Studenten unter anderem anhand der Entnazifizierung des Lehrpersonals an der Technischen Hochschule Wien oder der Erinnerungskultur an der Universität Wien.

"Hier soll eine junge Generation das Thema neu und für sich selbst entdecken. Quellen werden anders interpretiert und neue Zugänge entwickelt. Das ist das Spannende", erklärte Oliver Rathkolb, Zeithistoriker an der Universität Wien und einer der wissenschaftlichen Betreuer des Projekts Anfang des Jahres im Gespräch mit der APA. Zum ersten Mal sei es gelungen, österreichweit einen Vergleich anzustellen. Allerdings sei das Projekt erst ein "Mosaikstein", wie die ÖH-Initiatoren Janine Wulz (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS) und Martin Schott (Fachschaftslisten, FLÖ) schreiben. Denn "gleichzeitig wurde sichtbar, dass noch immer viel zu tun bleibt". Vor allem an Universitäten, die die laufende Aufarbeitung nicht vorantreiben würden.

science.ORF.at/APA

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