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Wandernde Krebszellen

Zehn Prozent der Mammakarzinome erblich

Angelina Jolie ist kein Einzelfall: Ererbte Mutationen sind für einen Teil der Brustkrebserkrankungen verantwortlich. Etwa zehn Prozent der Mammakarzinomfälle treten familiär gehäuft auf. Daran "schuld" sind Mutationen im BRCA1- bzw. im BRCA2-Gen. Das betrifft in Österreich etwa 25.000 Frauen.

Brustkrebs 14.05.2013

Bei Vorliegen solcher Erbanlagen kommt es auch zur starken Erhöhung des Eierstockkrebsrisikos. Vergangenes Jahr wurde deshalb ein flächendeckendes kostenloses Betreuungssystem etabliert. Entschließt sich eine Frau zur Entfernung von Brüsten und Eierstöcken, reduziert sich das Erkrankungsrisiko drastisch.

50-prozentiges Risiko

Angelina Jolie: Brustamputation

Angelina Jolie hat sich aus Angst vor einem Krebsleiden beide Brüste amputieren lassen. Wegen eines Gendefekts habe sie ein 87-prozentiges Risiko gehabt, Brustkrebs zu bekommen - mehr dazu in news.ORF.at.

Ö1-Sendungshinweis

Über die Entscheidung Angelina Jolies und das Risiko durch erblichen Brustkrebs informieren auch die Journale.

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Mutationen in den beiden Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2 bringen eine ausgesprochen hohe Gefährdung mit sich. Gynäkologe Christian Singer, Leiter der Brustabteilung im AKH Wien, erklärte anlässlich der Präsentation des Programms: "Frauen mit solchen Mutationen haben laut internationalen Studien ein 50-prozentiges Risiko, bis zum 50. Lebensjahr an Brustkrebs zu erkranken, Nicht-Trägerinnen solcher Mutationen eines bis zwei Prozent." Bis zum 70. Lebensjahr erhöhen sich diese Prozentsätze auf ein Erkrankungsrisiko von 87 zu acht Prozent. Bei Eierstockkrebs sind es bis zum 70. Lebensjahr 44 Prozent (Mutationsträgerinnen) gegenüber weniger als ein Prozent.

Leitlinien und Kriterien

An Frauen, die wegen ererbter Mutationen in den Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA1 ein hohes Risiko für ein Mammakarzinom und/oder Eierstockkrebs haben, will man jetzt in Österreich unter Beachtung neu erstellter Leitlinien und über 57 über das Bundesgebiet verteilte und nach den gleichen Kriterien arbeitende Zentren in Spitälern herankommen. Das sollte so geschehen:

  • Jeder Hausarzt und jeder Gynäkologe sollte die Patientinnen und Patienten (es gibt Brustkrebs auch bei Männern) fragen, ob in ihrer Familie vermehrt Brust- und/oder Eierstockkrebs aufgetreten ist. Ist das bei zwei oder mehr Personen der Fall gewesen, sollte der Patient an eines der Zentren überwiesen werden.
  • An dem Zentrum wird zunächst eine Familienanamnese mit Stammbaum erstellt. Fällt der "verdächtig" aus, wird eine Blutabnahme mit Test auf BRCA1- und BRCA2-Mutationen angeboten.
  • Nach allfälliger Vornahme der Genuntersuchung in Wien (MedUni Wien/AKH) wird die Patientin nach ein bis zwei Monaten wiederbestellt.
  • Will die Betroffene das Resultat der Genuntersuchung wissen, erfolgt eine ausführliche und neutrale Information: über die Möglichkeiten einer intensiven Früherkennung oder die Möglichkeit zur vorsorglichen Entfernung der Brust (samt Rekonstruktion) und/oder der Eierstöcke.

Begleitende Untersuchungen

Im Fall eines Entschlusses zum Abwarten mit Früherkennung gibt es einmal jährlich eine Magnetresonanzuntersuchung (MRT) der Brüste ab dem 25. Lebensjahr und Mammografie ab dem 35. Lebensjahr. In Sachen Eierstockkrebs wird zu einer jährlichen Ultraschalluntersuchung ab dem 35. Lebensjahr und Tumormarker-Tests aus dem Blut geraten. Mit der MRT-Untersuchung werden um 50 Prozent mehr Tumoren erkannt als mit der Mammografie. Für Eierstockkrebs sind bisher die Früherkennungsuntersuchungen leider noch nicht so aussagekräftig wie beim Mammakarzinom.

Operationen reduzieren bei Frauen mit BRCA-Mutationen das Karzinomrisiko enorm. Radiologe Thomas Helbich (MedUni Wien/AKH): "Die prophylaktische Entfernung der Brüste und Eierstöcke senkt das Risiko für Mammakarzinome um 95 Prozent und das für Eierstockkarzinome um 80 Prozent." Im Endeffekt kann damit de facto eine Annäherung an die viel geringere Gefährdung von Frauen ohne diese familiäre Belastung erzielt werden.

science.ORF.at/APA

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