Standort: science.ORF.at / Meldung: "Der unerforschte "siebente Kontinent" "

Ein Stück Kunststoff treibt im Meer

Der unerforschte "siebente Kontinent"

Der "siebente Kontinent" liegt im Pazifischen Ozean. Das gigantische Gebiet ist größer als Indien und besteht aus Müll. Am 20. Mai startet eine Expedition von den USA aus in die gänzlich unerforschte Region.

Müll 15.05.2013

"Wohin treibt das nur alles?"

Der französische Forscher Patrick Deixonne, der Vater der Expedition, war während einer Rudertour im Jahr 2009 auf die Abfall-Anhäufung in Pazifik gestoßen. "Ich sah plötzlich all diesen Plastikmüll um mich herum. Ich habe mich gefragt: Wohin treibt das nur alles?" Zurück an Land begann der 48-Jährige zu recherchieren und fand die Antwort: Die Plastik-Überreste vermengen sich am Treffpunkt von zwei Meeresströmungen, die auf die Erdrotation zurückzuführen sind und einen immensen Wirbel bilden.

Laut dem deutschen Umweltbundesamt sind es bis zu 140 Millionen Tonnen Abfall, die in den Meeren liegen, schwimmen oder an die Strände treiben. Millionen Tonnen Müll treiben allein in den fünf großen Strudeln der Weltmeere, der Schmutz wird dabei langsam in deren Zentrum gezogen. Das Problem für die Wissenschaftler besteht darin, dass diese "Suppe" vor allem aus Mikro-Überresten aus Plastik zusammengesetzt ist, die unter der Wasseroberfläche schweben - manchmal in 30 Metern Tiefe. Diese Müllgebiete sind deshalb von Satelliten aus kaum auszumachen, sondern nur vom Boot aus sichtbar.

3,4 Millionen Quadratkilometer

Die Oberfläche des "siebenten Kontinents" im Pazifik umfasst nach Angaben der französischen Weltraumagentur CNES rund 3,4 Millionen Quadratkilometer. Weil dieser Müll in Gewässern treibt, die weder für die Schifffahrt noch für den Tourismus von besonderem Wert sind, "interessiert das Problem nur Umweltschützer und Wissenschaftler", klagt Deixonne, der früher als Feuerwehrmann im französischen Überseegebiet Guyana gearbeitet hat und nun Mitglied der französischen Erforscher-Vereinigung ist.

Seit der zufälligen Entdeckung des riesigen Abfallstrudels durch den US-Meeresforscher Charles Moore im Jahr 1997 wurde die Plastikmüll-Bank im Pazifik nur in wenigen Studien auf ihre Umweltauswirkungen auf das Meer hin untersucht. Deixonne will nun diese "ökologische Katastrophe" international bekannt machen, indem er vor Ort wissenschaftliche Untersuchungen anstellt und Bilder aufnimmt.

Messungen via Satellit

Seine Expedition soll am 20. Mai von Oceanside in Südkalifornien aus mit Kurs auf den Riesen-Müll-Strudel starten. Während der gesamten Fahrt sollen Messungen vorgenommen werden, um die Dichte und Zusammensetzung des Abfalls im Wasser zu untersuchen. Mithilfe eines Satelliten-Leitsystems will er in sechs bis sieben Tagen das Gebiet mit der höchsten Abfallkonzentration erreichen, das etwa eintausend Seemeilen von der Küste entfernt liegt.

Getestet werden soll bei der Fahrt auch ein Messgerät in einer Boje, das Ingenieursschüler in Frankreich zusammen mit der CNES entwickelt haben. Dadurch soll Plastik im Wasser von Plankton und anderen Lebewesen unterschieden werden und so am Ende das verschmutzte Gebiet über per Satellit übertragene Bilder kartografiert werden.

Im Müll stecken geblieben

Die Expedition sollte ursprünglich schon im Mai 2012 starten - war dann aber just am Plastikmüll gescheitert. Noch vor der Abfahrt in Kalifornien hatte ein Plastiksackerl die Wasserpumpe des Segelschiffs von 1938 lahmgelegt, das Deixonne gechartert hatte. Im Golf von Mexiko verfingen sich zudem Überreste eines Nylon-Fischernetzes in seinem Ruder.

Solche Probleme würden in dieser Gegend "immer häufiger" auftreten, berichtet Deixonne. Vor allem kalifornische Segler seien davon betroffen. Angesichts der zunehmenden Schwierigkeiten mit dem Müll unterstützt diesmal der Yacht-Club von Oceanside die Expedition. Kostenlos stellte er Deixonne ein leistungsstarkes Motorboot und drei Besatzungsmitglieder zur Verfügung.

Laurent Banguet, AFP

Mehr zu diesem Thema: