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Perito-Moreno-Gletscher, Argentinien

Gletscherwasser hebt den Meeresspiegel

Gletscher haben an den Landeismassen der Erde bloß einen Anteil von einem Prozent. Ihr Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels ist bedeutend höher, wie eine Studie zeigt. Von 2003 bis 2009 war die Gletscherschmelze für ein Drittel des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich.

Anstieg 17.05.2013

Die anderen zwei Drittel stammen von den schmelzenden Eisschilden der Antarktis und Grönlands sowie der thermischen Ausdehnung des Meerwassers.

"Sind stärker exponiert"

Die Studie

"A Reconciled Estimate of Glacier Contributions to Sea Level Rise: 2003 to 2009", Science (17.5.2013; 10.1126/science.1234532).

Rund 99 Prozent der gesamten Landeismassen befinden sich in den riesigen Eisschilden der Antarktis und Grönlands, nur ein Prozent in den zahlreichen Gletschern der kanadischen Arktis, Alaskas, entlang der Küste Grönlands, den südlichen Anden und im Himalaya. Diese vergletscherten Regionen haben alle in den Jahren 2003 bis 2009 Masse verloren, nur die Gletscher der Antarktis, kleinere Landeismassen, die nicht mit dem großen antarktischen Eisschild verbunden sind, sind nicht so stark zurückgegangen.

"Die vielen, vielen kleinen Gletscher sind stärker der Erwärmung exponiert und schmelzen entsprechend schneller. Eine kleine Veränderung setzt etwa einem kleinen Alpengletscher viel stärker zu als den großen Eisschilden, die sich auch weitgehend selbst das Klima machen", erklärte Georg Kaser von der Universität Innsbruck, ein Co-Autor der Studie.

260 Mrd. Tonnen Schmelzwasser

Perito-Moreno-Gletscher, Argentinien

Etienne Berthier

Perito-Moreno-Gletscher, Argentinien

Zwischen 2003 und 2009 sind aus diesen Gletschern jährlich 260 Milliarden Tonnen Schmelzwasser in die Ozeane geflossen. Dieser Gletscherabfluss hat damit laut Kaser den Meeresspiegel durchschnittlich um rund 0,75 Millimeter pro Jahr ansteigen lassen.

In der Studie wurde der Beitrag aller Gletscher zum Anstieg des Meeresspiegels exakter bestimmt als je zuvor. "Wir haben vor drei Jahren nur 40 Prozent der Gletscher flächenmäßig inventarisiert, jetzt halten wir bei über 99 Prozent", so Kaser.

Neue Grundlage für IPCC-Bericht

Zudem haben die Wissenschaftler einen Abgleich und eine Harmonisierung der verschiedenen Methoden durchgeführt, was auch Grund für die Wahl "dieser komische Periode 2003-2009" ist, so Kaser. In diesem Zeitraum überlappen sich die Daten der verschiedenen Methoden. Konkret wurden die Daten aus traditionellen Messungen am Boden mit Satellitendaten der NASA-Missionen ICESat (Ice, Cloud and land Elevation Satellite) und GRACE (Gravity Recovery and Climate Experiment) verglichen.

In Kombination mit dem weltweiten Gletscherinventar war es so möglich, die Massenänderungen der Gletscher in allen Regionen der Erde viel genauer als bisher zu bestimmen. "Bisher hatten wir beim Beitrag der Gletscher zum Meeresspiegelanstieg eine Unsicherheit von 0,37 Millimeter pro Jahr, jetzt sind wir bei 0,07 Millimeter", so Kaser.

Die Daten der neuen Studie sollen auch Grundlagen für den neuen Bericht des Weltklimarats IPCC schaffen, der im September erscheinen sollen. Der neue Sachstandsbericht des Weltklimarates soll dann im Herbst 2014 vorgestellt werden. Kaser ist einer von rund einem Dutzend in Österreich tätigen Wissenschaftlern, die an dem Bericht mitarbeiten.

science.ORF.at/APA

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