Standort: science.ORF.at / Meldung: "Zweifel an neuer Klonstudie"

Entnahme einer einzelnen Zelle aus einem Embryo im Frühstadium

Zweifel an neuer Klonstudie

Vor acht Jahren wurde der südkoreanische Forscher Hwang Woo Suk des Betrugs überführt. Seine Behauptung, Stammzelllinien aus geklonten menschlichen Embryonen entwickelt zu haben, war gelogen. Nun kommt auch eine ähnliche Arbeit in Verdacht, die vergangene Woche für Aufsehen gesorgt hat. Die Autoren räumen kleine Fehler ein.

Genetik 24.05.2013

Ein Team um Shoukhrat Mitalipov von der Oregon Health & Science University hatte behauptet, erstmals menschliche Zellen geklont und in embryonale Stammzellen "umprogrammiert" zu haben. Sie könnten in jede beliebige Art von Körperzellen verwandelt werden und so jede kranke oder verletzte Zelle ersetzen.

Die Studie:

"Human Embryonic Stem Cells Derived by Somatic Cell Nuclear Transfer", Cell (15.5.2013; doi: 10.1016/j.cell.2013.05.006).

Ö1-Sendungshinweise:

Über diese Studie berichteten auch die "Ö1-Journale" sowie "Wissen aktuell".

Wie der Online-Dienst von "Science" berichtet, gibt es an der Studie aber erhebliche Zweifel. Einige Abbildungen der im Fachjournal "Cell" veröffentlichten Arbeit seien mehrfach verwendet worden, heißt es in einem Kommentar auf "PubPeer" - einer Webseite, die bereits veröffentlichte Studien überprüft. Außerdem habe "Cell" nur vier Tage Zeit zwischen Einreichung und Publikation der Studie verstreichen lassen - eine äußerst ungewöhnlich kurze Zeitdauer.

Die Vorwürfe werden von "Cell" ernstgenommen und überprüft, hat eine Sprecherin der Fachzeitschrift gegenüber "Science" versichert.

Autoren räumen Fehler ein

Die Autoren der Studie haben mittlerweile Schlampereien eingeräumt. Der leitende Wissenschaftler Shoukhrat Mitalipov von der Universität Oregon sagte der Fachzeitschrift "Nature", dass seinem Team kleinere Fehler unterlaufen seien. Die Aussagekraft der Studie werde dadurch aber nicht in Frage gestellt. "Die Ergebnisse sind echt, die Zelllinien sind echt, alles ist echt", sagte Mitalipov.

Bei drei der bemängelten Probleme habe es sich um Flüchtigkeitsfehler beim Zusammenstellen der Daten gehandelt. Bei der Veröffentlichung der Studie habe großer Zeitdruck geherrscht, zwischen Abgabe und Annahme des Manuskripts durch "Cell" hätten nur drei Tage gelegen. Einen angeblichen vierten Fehler wies Mitalipov zurück.

science.ORF.at/APA/AFPA

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