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Ein Schimpanse gähnt

Glücksspiel macht Affen wütend

US-Forscher haben untersucht, wie sich Schimpansen und Bonobos bei - tiergerechten - Glücksspielen verhalten. Resultat: Verzocken die Affen ihr Lieblingsessen, beginnen sie zu schreien, zu kratzen und schlagen um sich.

Verhalten 29.05.2013

Im Rahmen ihrer Studie führten Alexandra Rosati von der Yale-Universität in New Haven (US-Staat Connecticut) und Brian Hare von der Duke-Universität in Durham (US-Staat North Carolina) folgende Versuche durch: Im ersten Durchgang mussten sich 38 Tiere zwischen einer großen und einer kleinen Futterportion entscheiden.

Wählten die Affen den kleinen Snack, erhielten sie diesen sofort. Suchten sie sich jedoch die große Portion aus, bekamen sie diese erst nach einer oder zwei Minuten Wartezeit. Alle möglichen Optionen wurden vorher mit den Tieren trainiert.

Schimpansen sind risikofreudiger

Die Studie

"Chimpanzees and Bonobos Exhibit Emotional Responses to Decision Outcomes", PLOS ONE (29.5.2013; doi:10.1371/journal.pone.0063058).

In knapp zwei Dritteln der Fälle entschieden sich die Affen dafür, auf die große Portion zu warten, wenn die Wartezeit nur eine Minute betrug. Bei einer zweiminütigen Wartezeit war dies nur noch bei rund der Hälfte der Versuche der Fall. Insgesamt waren die Schimpansen im Vergleich zu den Bonobos geduldiger - sie warteten also häufiger. Allerdings schrien, jammerten und fiepten sie beim Warten auch mehr.

Mit dem zweiten Versuch wollten die Forscher testen, inwiefern Affen unterschiedliche Entscheidungsergebnisse akzeptieren. Dieses Mal wurden 37 Tiere vor die Wahl gestellt: Sie konnten sich für eine riskante oder eine sichere Option entscheiden. Bei der riskanten Option erhielten die Affen entweder ihren Lieblingssnack oder ein Essen, das sie nicht gerne mögen. Bei der sicheren Option bekamen die Tiere immer mittelmäßiges Futter.

Video: Die Geduld eines Bonobos wird auf die Probe gestellt

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Bei diesem Versuch zeigten sich die Schimpansen deutlich risikofreudiger, sie wählten in knapp zwei Dritteln der Fälle die Glücksspiel-Option. Die Bonobos entschieden sich nur in knapp 40 Prozent der Fälle für die Zockerei. Verloren die Affen bei dem Glücksspiel, so zeigten beide Arten stark negative Emotionen.

Rosati und Hare beschreiben in ihrer Studie das äffische Repertoire des Ärgers: Es reicht von Jammern, Winseln und Schreien über spontanes Kratzen des eigenen Körpers und Kopfes bis hin zu Wutausbrüchen, bei denen die Tiere auf die Versuchsapparatur trommelten.

"Emotionen prägen Entscheidungen"

"Psychologen und Ökonomen haben herausgefunden, dass Gefühle beim Menschen eine entscheidende Rolle spielen, wenn es darum geht, komplexe Entscheidungen zu treffen. Etwa, wenn es um die Frage geht, Geld zu investieren oder zu sparen", erklärt Studienautorin Rosati.

Ihre Untersuchung zeige, dass Affen nach einer riskanten Wahl ähnlich emotional wie Menschen reagieren. Weitere Forschung sei jedoch notwendig, um herauszufinden, ob diese emotionalen Reaktionen zukünftige Entscheidungen auch verändern können.

science.ORF.at/dpa

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