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3D-Ultraschall vom Kopf eines Ungeborenen

Schon Ungeborene üben Weinen

Schon im Mutterleib üben Babys Gesichtsausdrücke. Forschern zufolge erleichtert ihnen das die Kommunikation, sobald sie die schützende Bauchhöhle verlassen haben. Die pränatale Mimik könnte in Zukunft auch als Gradmesser für die Gesundheit der Ungeborenen dienen.

Mimik 06.06.2013

Mimik wird komplexer

Die Studie in "PLOS ONE":

"Can Healthy Fetuses Show Facial Expressions of “Pain” or “Distress”?" von N. Reissmann et al., erschienen am 6. Juni 2013.

Ultraschallaufnahmen bezeugen, dass sich die Mimik von Ungeborenen im Lauf der Schwangerschaft entwickelt. Mit der Zeit entstehen dabei erkennbare Gesichtsausdrücke. Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher um Nadja Reissland von der Durham University 15 gesunde Ungeborene mittels 4D-Ultraschall-Scans (bewegte 3D-Aufnahmen) begleitet und beobachtet.

Schon ab der 24. Woche sind einfache Gesichtsbewegungen erkennbar. Das sieht laut den Forschern so aus, als versuchten die Föten, mit dem Mund ein Lächeln zu formen. In der 36. Woche wird die Mimik demnach komplexer. Die Ungeborenen können dann bereits ein Gesicht machen, als hätten sie Schmerzen. Dafür müssen sie immerhin schon mindestens vier Bewegungen kombinieren, wie z.B. die Stirn runzeln und den Mund verziehen.

Gradmesser für Entwicklung

Laut Reissmann bereiten sich die Babys so bereits auf ihr Leben außerhalb des Mutterleibs vor. Die Gesichtsausdrücke ermöglichen es ihnen, bereits unmittelbar nach der Geburt mit der Umwelt zu kommunizieren. Die Eltern können daran beispielsweise ablesen, ob ihr Nachwuchs Schmerzen hat.

Ob die Mimik im Mutterleib etwas mit den Gefühlen des Ungeborenen zu tun hat, bleibt indes unklar. Dass Babys schon im Uterus Schmerzen fühlen, lässt sich laut den Forschern daraus ebenso wenig ableiten. "Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Gesichtsbewegungen vielmehr mit der Entwicklung des Gehirns zu tun haben als mit Gefühlen", so die Autoren.

Aus diesem Grund könnte die vorgeburtliche Mimik in Zukunft auch als zusätzliches diagnostisches Werkzeug dienen. Die mimischen Übungen wären dabei ein Hinweis darauf, ob sich ein Fötus normal entwickelt.

science.ORF.at

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