Standort: science.ORF.at / Meldung: "Menschen- und Affenjunge gestikulieren ähnlich"

Baby schläft bäuchlings in Hängematte

Menschen- und Affenjunge gestikulieren ähnlich

Schon Charles Darwin hat bemerkt, dass gewisse Gesten bei allen Völkern vorkommen und daher eine erbliche Grundlage haben sollten. US-Forscher dehnen diese Beobachtung nun auf andere Arten aus: Ihnen zufolge ist auch die Gestik von Menschen- und Affenjungen sehr ähnlich.

Verhalten 07.06.2013

Mit dem Finger zeigen, die Arme nach etwas ausstrecken oder als Zeichen heben, dass man hochgenommen werden will: Das sind laut Psychologen der Universität von Kalifornien in Los Angeles Gebärden, die sowohl junge Schimpansen und Bonobos als auch Menschen verwenden.

Ziel: Kommunizieren

"Die Ähnlichkeit von Form und Funktion der Gesten war bemerkenswert", sagte eine Autorin der Studie, Patricia Greenfield. Auffallend sei, dass die Gesten aller Teilnehmer vorwiegend kommunikativen Nutzen hatten. Merkmale dafür: Augenkontakt, bestimmte Geräusche oder ein sichtbares Bemühen, dem anderen eine Antwort zu entlocken. Bei Mensch und Affe waren die Gesten von einem oder mehreren dieser Zeichen begleitet.

Affe zeigt, Kind zeigt

K. Gillespie-Lynch et al./Frontiers in Psychology

Aus dem Versuchsprotokoll: mit dem Finger zeigen

Im Rahmen der Studie wurde das Verhalten eines Mädchens im Alter von elf bis 18 Monaten per Video analysiert, bei den Affen begann die Analyse mit zwölf Monaten und endete, als diese 26 Monate alt waren. Die Forscher werteten in diesem Zeitraum jeweils monatlich eine Stunde Film von allen drei Teilnehmern aus. Die Affen lernten die Kommunikation mit Gesten, Stimme und Bild-Symbolen - mit dem Mädchen wurde normal gesprochen.

Gestischer Ursprung der Sprache

Die Forscher sind überzeugt, dass die Sprache gestische Ursprünge hat. Über die Evolution kann die vorliegende Studie zwar nur bedingt Auskunft geben. Immerhin zeigen Greenfield und Co., dass sich Sprache und Gesten bei allen drei Arten gemeinsam entwickelt: In der ersten Hälfte der Studie kommunizierten sowohl die Affen als auch das Menschenbaby vorwiegend über Gesten. In der zweiten Hälfte nutzten die Affen immer häufiger Symbole im Form von Bildern, das Kind in Form von Worten.

Das Mädchen schaffte es jedoch schneller, von den Gesten auf die Symbole umzusteigen. Die Tiere nutzten weiter vorwiegend Gesten. "Das war der erste Anzeichen für einen charakteristischen Weg des Menschen zur Sprache", sagte Greenfield. Parallel zu den Gesten entwickle sich die stimmliche Kommunikation. "Die meisten Gesten des Kindes wurden von Lauten begleitet, die der Affen hingegen selten." Dies deute darauf hin, dass die Fähigkeit, Gesten und Laute zu kombinieren, wichtig für die Entwicklung von Sprache ist.

Die Forscher ziehen den Schluss, dass der Mensch eine Sprache mit Gesten und Symbolen von dem letzten Vorfahren geerbt hat, den er mit Schimpansen und Bonobos teilt - einem Vorfahren, der vor ungefähr sechs Millionen Jahren lebte.

science.ORF.at/dpa

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