Standort: science.ORF.at / Meldung: "Wutausbrüche sind schlecht fürs Herz"

Mund eines Mannes mit Bart, aggressiv verzogen, Zähne fletschend

Wutausbrüche sind schlecht fürs Herz

Es gilt als ungesund, Gefühle hinunterzuschlucken. Eine Studie an Infarktpatienten zeigt, dass das Gegenteil vermutlich auch nicht viel besser ist. Demnach erhöht sich das Risiko für einen Herzanfall unmittelbar nach einem Wutausbruch. Es könnte jedoch helfen, über die negativen Gefühle zu reden, wie eine weitere Untersuchung nahelegt.

Emotionen 10.06.2013

Gefährlicher Zorn

Die Studie in "The American Journal of Cardiology":

"Relation of Outbursts of Anger and Risk of Acute Myocardial Infarction" von Elizabeth Mostofsky et al., erschienen im Mai 2013.

Negative Emotionen wie Zorn oder Wut haben unmittelbare körperliche Folgen. Das Herz beginnt schneller zu schlagen, der Blutdruck steigt, die Blutgefäße ziehen sich zusammen. Ob es dabei im Ernstfall gar zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann, haben die Forscher um Elizabeth Mostofsky von der Harvard Medical School in Boston nun untersucht.

Die verwendeten Daten stammten von 3.886 Patienten, die zwischen 1989 und 1996 Teil einer Herzinfarktstudie waren. Kurz nach ihrem Herzanfall wurden sie zu Vorkommnissen sowie Lebensgewohnheiten im vorhergehenden Jahr befragt. 40 Prozent der Teilnehmer berichteten von Wutausbrüchen. 110 Personen hatten diese in den letzten zwei Stunden vor dem Infarkt erlebt.

Die Patienten mussten zudem auf einer Skala von eins bis sieben angeben, wie intensiv diese Ausbrüche waren. Und tatsächlich stieg das Infarktrisiko mit der Intensität: Bei leichtem Ärger war es etwa 1,7-mal größer als ohne Wut. War der Zorn heftiger, sodass die Personen bereits die Fäuste geballt hatten, war es 2,3-mal höher. Ein echter Ausbruch, bei dem die Patienten völlig außer sich waren und dabei auch Dinge flogen oder andere verletzt wurden, erhöhte das Risiko sogar um das Viereinhalbfache. Anlass für den Zorn waren in der Regel familiäre Streitigkeiten oder Probleme am Arbeitsplatz.

Dass die unkontrollierte Wut tatsächlich die Ursache des Infarkts gewesen ist, sei damit zwar nicht bewiesen, der Zusammenhang aber höchst plausibel. Immerhin sei Ärger ein Gefühl mit einer starken körperlichen Komponente. Langfristig kann er laut den Forschern für Herz und Gefäße vermutlich wirklich zerstörend wirken. Die Auswertung ergab zudem, dass lediglich Patienten, die Betablocker eingenommen hatten, vor den negativen Konsequenzen ihrer Wut geschützt waren.

Von der Seele schreiben

Die Studie in "PLOS ONE":

"The Effects of Measuring Emotion: Physiological Reactions to Emotional Situations Depend on whether Someone Is Asking" von Karim S. Kassam et al., erschienen am 5. Juni 2013.

Vielleicht gibt es aber auch weniger nebenwirkungsvolle Methoden, den Ärger in Griff zu bekommen. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse einer weiteren Studie. Dabei haben die Forscher um Karim Kassam von der Carnegie die Probanden mit Absicht in einen verärgerten Zustand versetzt. Sie mussten schwierige mathematische Aufgaben lösen, während ein Betreuer negative Kommentare dazu abgab. Gleichzeitig wurde die Rate ihres Herzschlags gemessen.

Anschließend füllte eine Hälfte der Gruppe einen Fragebogen zu ihren Gefühlen aus. Die andere Hälfte musste ganz neutrale Fragen beantworten. Danach zeigte sich, dass die Herzschlagrate bei jenen verärgerten Studienteilnehmern, die über ihre Gefühle schreiben durften, deutlich niedriger war als in der neutralen Kontrollgruppe. Offensichtlich hatte sie diese Tätigkeit wieder etwas besänftigt. Laut den Forschern zeigen die Ergebnisse, dass das einfache Darüber-reden-können messbare Auswirkungen hat und mögliche negative Folgen von Ärger unter Umständen entschärfen kann.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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