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Große Magellansche Wolke

Video: Das Universum und der ganze Rest

Seit Jahrzehnten sammeln Astronomen Daten über die Verteilung von Sternen, Galaxien und Galaxienclustern im Universum. Ein Forscherteam fasst den Stand des Wissens nun in einer Animation zusammen.

Linktipp 11.06.2013

Sollte es im Schulunterricht dereinst das Fach "Kosmographie" geben, wäre das auch ein Verdienst von Helene M. Courtois. Die Astronomin von der Universität Lyon hat soeben mit einigen Kollegen ein beeindruckendes, 17-minütiges Video veröffentlicht, das die Lage unserer Galaxis im All veranschaulicht.

Wie viel die Kosmographie im Gegensatz zur Geographie noch an Aufklärungs- und Bildungsarbeit zu leisten hat, zeigen schon die Begriffe. Den Andromedanebel, die Nachbargalaxie der Milchstraße, mag man noch kennen. Die zwei nächst gelegenen Galaxien, NGC 55 und NGC 3109, dürften indes nur mehr einschlägig Interessierten ein Begriff sein. Und das, obwohl es sich hierbei um unsere unmittelbare Umgebung handelt: Die erwähnten Galaxien sind ein paar Millionen Lichtjahre entfernt, für kosmische Maßstäbe quasi ein Katzensprung.

Mehr als hundert Millionen Lichtjahre betragen die Distanzen im nächst größeren Bezugsrahmen. "Lokale Gruppe", "local void" (ein gigantischer Leerraum, in dem sich nebst unserer auch viele andere Galaxien befinden) und "local sheet" (ein diesen Leerraum durchmessendes Materiefilament) sind Wörter, die auf den Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch warten, wie die Namen der Kontinente zu Zeiten eines Amerigo Vespucci und Vasco da Gama.

Wer bei der gepflegten Konversation in Hinkunft mit astronomischem Bildungsgut glänzen mag, könnte sich noch den Virgo-Superhaufen (hier ist die Milchstraße drin), sowie seinen Nachbarn, den "Hydra-Centaurus Supercluster" einprägen: Das sind die nächstgrößeren Schubladen für die im Raum spärlich verteilte Materie.

Fest steht, dass die "Atlanten" der Kosmographen drei Dimensionen benötigen. Zweidimensionale Darstellungen des Universums sind zwar möglich, aber abstrakt. Und: Um die tatsächliche Struktur der Materie im Kosmos zu veranschaulichen, bedarf es eigentlich auch bewegter Bilder - wie in Courtois' Video.

Robert Czepel, science.ORF.at

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