Standort: science.ORF.at / Meldung: "Ägyptischer Totenkult im Papyrusmuseum"

Mumienmaske aus Leinen, Stuck bemalt und vergoldet aus der Ptolemäischen Zeit

Ägyptischer Totenkult im Papyrusmuseum

Von kunstvoll gestalteten Beschwörungsformeln für die letzte Prüfung am Totengericht bis zur hingeschluderten Auflistung von Begräbniskosten: Die Ausstellung "Wege zur Unsterblichkeit. Altägyptischer Totenkult und Jenseitsglaube" zeigt im Papyrusmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek die große Bandbreite der Sammlung.

Archäologie 13.06.2013

Kuratorin Angelika Zdiarsky hat in der heute, Donnerstag, Abend eröffnenden Schau 80 Exponate zusammengetragen, die "die intensive, im täglichen Leben stark verankerte Vorbereitung auf das Leben nach dem Tod" im alten Ägypten nachzeichnet.

3.500 Jahre altes Totenbuch

Herzstück der Ausstellung sind die Totenbuch-Rollen der Papyrussammlung: Auf mehreren Metern überliefern sie nicht nur punktuell ägyptische Jenseitskultur, sondern auch deren Kontinuität, wie Zdiarsky bei der Presseführung hervorhob. Das älteste Objekt ist dabei das aus dem 15. Jahrhundert vor Christi stammende Totenbuch des Sesostris, das über 20 magische Sprüche enthält und in Kursivhieroglyphen verfasst ist.

Ausstellung:

"Wege zur Unsterblichkeit. Altägyptischer Totenkult und Jenseitsglaube". 14. Juni bis 12. Jänner 2014 im Papyrusmuseum in der Nationalbibliothek. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. Zur Ausstellung ist im Phoibos Verlag ein gleichnamiger Katalog erschienen.

Links:

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell: 13.6., 13:55 Uhr.

Papyrus: Detail aus dem Totenbuch der "Taruma"

Österreichische Nationalbibliothek

Papyrus: Detail aus dem Totenbuch der "Taruma"

Wie sehr die Traditionen über Jahrhunderte erhalten blieben, zeigt unterdessen das Totenbuch der "Taruma", das aus ptolemäischer Zeit (3./2. Jahrhundert vor Christi) stammt, in hieratischer Schrift geschrieben wurde und thematisch an die alten Riten anknüpft.

Die Totenbücher enthalten Zaubersprüche, Beschwörungsformeln und liturgische Anweisungen, die die Verstorbenen zur letzten Prüfung vor dem Weiterleben im Jenseits - dem Totengericht - führten. Diese "Jenseitsführer" sollten die Toten sicher durch die Gefahren der Unterwelt geleiten.

Erstmals öffentlich gezeigt wird in der Ausstellung auch das Totenbuch der Nefersobek, das mit seinen rund 16 Metern das längste Totenbuch in den Beständen der Papyrussammlung darstellt und nahezu lückenlos die verschiedenen Facetten altägyptischen Jenseitsglaubens widerspiegelt.

Teure Begräbnisse

Dass Begräbnisse auch ihren Preis hatten, bezeugt nicht zuletzt ein Papyrus aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christi, der die Ausgaben einer Bestattung akribisch auflistet. So gingen etwa auch die gemieteten Klagefrauen ins Geld, das Teuerste war jedoch das Leinen für die Mumifizierung, wie die Kuratorin erklärte.

Papyrus: Detail aus dem Totenbuch der Nefersobek

Österreichische Nationalbibliothek

Papyrus: Detail aus dem Totenbuch der Nefersobek

Einen Einblick in die intensive Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod geben auch zahlreiche erhaltene Testamente, die ausgestellten Mumientäfelchen zeugen von organisatorischen Schritten wie der Identifizierung der Mumien während der Transporte von der Balsamierungswerkstätte zur Begräbnisstätte.

Die Bestände der Papyrussammlung ermöglichen laut ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger eine wissenschaftliche Rekonstruktion "fast aller Lebensbereiche" der alten Ägypter. Im Falle des Jenseitskults zeigt das die kompakte, aber breit gefächerte Ausstellung eindrucksvoll.

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: