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Toilettentür mit männlichem und weiblichem Symbol

Männer verursachten Menopause

Schon wieder sind die Männer schuld, dieses Mal an der Menopause. Forschern zufolge führte nämlich die männliche Vorliebe für jüngere Frauen langfristig zu einem früheren Ende der weiblichen Fruchtbarkeit. Zumindest ergab das eine Computersimulation.

Evolution 14.06.2013

Rätsel der Evolution

Bis auf wenige dokumentierte Ausnahmen, etwa bei Walen oder bei in Gefangenschaft lebenden Schimpansen, vermehren sich Tiere bis zu ihrem Lebensende. Frauen hingegen können im Schnitt nur bis zu ihrem 50. Lebensjahr Kinder bekommen, mit dem Eintritt der sogenannten Menopause werden sie unfruchtbar. Männer können theoretisch bis zu ihrem Tod Nachwuchs zeugen. Warum Menschenweibchen ihre fruchtbare Zeit noch vierzig Jahren und länger überleben, gehört zu den großen Rätseln der Evolution.

Die Studie:

"Mate Choice and the Origin of Menopause" von Richard A. Morton et al. ist am 13. Juni 2013 in "PLOS Computational Biology"erschienen.

Es gibt allerdings mehrere Hypothesen: Eine besagt, dass die Menopause Frauen vor riskanten Spätgeburten schützt. Eine weitere populäre Vermutung ist die "Großmutter-Hypothese". Demnach überleben Frauen ihre fruchtbare Phase deswegen so lang, weil sie sich als Oma nützlich machen. So zeigten etwa Untersuchungen in einer afrikanischen Jäger- und Sammlergesellschaft, dass Kinder, an deren Aufzucht auch die Großmütter beteiligt waren, größer und gesünder waren.

Manche Forscher halten diese Erklärung für die weibliche Menopause allerdings für zu wenig stichhaltig. Die weibliche Langlebigkeit über die fruchtbare Phase hinaus könnte auch ein rein kulturelles Artefakt sein, da viele Todesursachen ganz einfach verschwunden sind.

Partnerwahl als Triebfeder

Auch das Team um Rama Singh von der kanadischen McMaster University in Hamilton hält die bisherigen Erklärungsansätze für unbefriedigend und wartet nun mit einer neuen Hypothese auf. Die Studie basiert auf einer simulierten Bevölkerung aus gleich vielen Männern wie Frauen, die sich prinzipiell ihr Leben lang fortpflanzen können.

Das Modell berücksichtigte verschiedene Erbgutveränderungen: geschlechtsunabhängige Mutationen, die für eine höhere Sterblichkeit sorgen, sowie geschlechtsabhängige Mutationen, die eine verminderte Fruchtbarkeit hervorrufen. Außerdem wurde in das Modell mit einberechnet, dass die Partnerwahl die Fruchtbarkeit beeinflusst.

Wählten die Männer im Modell bevorzugt jüngere Partnerinnen aus, so häuften sich jene frauenspezifischen Veränderungen des Erbguts, die unfruchtbar machen. Als Folge sank bei den Frauen die Fertilität noch bevor sie ihr Lebensende erreichten - die Menopause trat auf.

Nebenprodukt der Evolution

Den Forschern zufolge ist die Menopause so gesehen nur ein Nebenprodukt der Evolution. Üblicherweise denke man, sie verhindert die Fortpflanzung im Alter. Die Berechnungen legen jedoch nahe, dass umgekehrt eher ein Mangel an Fortpflanzungsgelegenheiten zur Menopause geführt hat.

Im Gegensatz zu den anderen Erklärungen kommt laut Singh in diesem Modell die natürliche Selektion tatsächlich zum Tragen. Um das Überleben der Art zu sichern, wird gewissermaßen alles in die Lebensphase gesteckt, in der sich Frauen wahrscheinlich fortpflanzen, d.h. in ihre jungen Jahre, in denen sie angeblich begehrter sind.

Danach sind Mutationen, die zu Unfruchtbarkeit führen, aus Sicht der natürlichen Selektion unerheblich und werden daher nicht mehr unterdrückt. Anders als bei der Großmutter-Hypothese ist die Menopause in diesem Modell nichts, das dem Überleben der Spezies explizit zugutekommt, sondern einfach eine Folge davon, dass die Fruchtbarkeit ab einem gewissen Alter sinnlos wird.

Würde auch umgekehrt funktionieren

Laut Singh hätte die Entwicklung genauso gut andersherum verlaufen können: Wären Frauen in der Vergangenheit diejenigen gewesen, die sich jüngere Partner aussuchten, so hätten Männer im Alter ihre Fruchtbarkeit verloren.

Darüber, ob es tatsächlich immer und überall so gewesen, dass Männer jüngere Partnerinnen bevorzugen, findet man in der Studie keine Anhaltspunkte. Das Modell zeigt lediglich, dass diese Präferenz bei der Partnerwahl eine ausreichende Erklärung im Sinne der Evolutionsgesetze liefern könnte.

Wie es wirklich war, steht möglicherweise auf einem ganz anderen Blatt. Man kann also damit rechnen, dass bis zu einer endgültigen Lösung des "Rätsels Menopause" noch einige andere Vermutungen auftauchen werden.

Eva Obermüller, sciene.ORF.at/dpa

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