Standort: science.ORF.at / Meldung: "Pestizide verringern Artenvielfalt in Gewässern"

Eine Libelle sitzt auf einem Halm.

Pestizide verringern Artenvielfalt in Gewässern

Der Einsatz von Pestiziden auf Feldern verringert nach einer internationalen Studie langfristig die Artenvielfalt in angrenzenden Bächen oder Flüssen. Besonders Eintagsfliegen und Libellen - wichtige Mitglieder in der Nahrungskette - leiden unter den Schadstoffen.

Ökologie 18.06.2013

Um bis zu 42 Prozent könne die Biodiversität der wirbellosen Tiere zurückgehen, schreiben Forscher aus Deutschland und Australien.

Die Studie:

"Pesticides reduce regional biodiversity of stream invertebrates" erscheint zwischen 17. und 21. Juni 2013 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (DOI: 10.1073/pnas.1305618110).

Kurz und wenig

Matthias Liess, für das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig an der Untersuchung beteiligt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Es ist sehr schwierig, die Wirkung von Pestiziden zu erkennen, weil sie immer nur in ganz kurzen Zeiträumen und in niedrigen Konzentrationen in das Gewässer kommen und so im Allgemeinen nicht sofort wirken."

Zwar gehörten Pestizide, die etwa in der Landwirtschaft genutzt werden, zu den am besten ökotoxikologisch untersuchten und regulierten Gruppen von Schadstoffen. Bisher war den Angaben zufolge aber nicht bekannt, ob und in welchem Umfang und bei welcher Konzentration ihr Einsatz Artenverlust in Gewässern hervorruft. Im Vergleich zwischen unberührten und stark kontaminierten europäischen Standorten beträgt der Verlust laut Studie bis zu 42 Prozent.

Risikobewertung teils falsch

In Deutschland untersuchten die Forscher die Artenvielfalt in der Hildesheimer Börde bei Braunschweig. Außerdem werteten sie Daten aus Frankreich und Australien aus. "Es gibt weniger Arten und es gibt welche, die lokal aussterben", erläuterte Liess.

Aus Sicht der Forscher ist die Risikobewertung von Pestiziden zum Teil falsch und müsste umgeschrieben werden. Die Überprüfung der Gesetzgebung fehle vollkommen. Liess: "Die nicht sofort tödlichen Effekte spielen bei niedriger Konzentration von Pestiziden in Gewässern eine wichtige Rolle." Deswegen habe die Forschung auch einige Zeit beansprucht. "Es ist nicht so einfach wie: Pestizide kommen rein, Tiere sind tot."

science.ORF.at/APA/dpa

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